Krankenversicherung für Beamtenanwärter: gesetzlich oder privat?

Sich für eine Beamtenlaufbahn zu entscheiden bedeutet, einen vorgezeichneten Weg einzuschlagen. Das gilt vor allem für die finanziellen Verhältnisse. Für die einen ist es ein Graus, bereits in jungen Jahren zu wissen, wie sich bedingt durch den gewählten Job das Leben wahrscheinlich entwickeln wird. Beamter oder Beamtin zu sein bedeutet nämlich auch, weitgehend an einen Ort bzw. an die Vorgaben der Dienststelle hinsichtlich deiner Einsatzorte gebunden zu sein. Doch wenn du genau diese Sicherheit suchst und es sehr gut findest, ein planbares Einkommen zu erhalten, dann ist die Beamtenlaufbahn genau richtig für dich.

Planbares Einkommen beschert gute Konditionen bei Banken und Versicherungen
Nicht nur für dich ist ein planbares und sehr sicheres Einkommen ein schlagkräftiges Argument, einen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Auch Banken und Versicherungen erkennen das sichere Arbeitsverhältnis von Beamtenanwärterinnen und -anwärtern sowie Beamtinnen und Beamten mit finanziellen Vorteilen an.

Die Konditionen sind besser als bei Verträgen mit Angestellten, die keine Arbeitsplatzgarantie vorweisen können. Beamtenanwärter haben bei der Auswahl der Krankenversicherung alle Optionen. Sie können sich privat oder gesetzlich versichern lassen. Wenn du wissen willst, welche Besonderheiten gelten und welche Unterschiede zwischen PKV und GKV bestehen, helfen dir die Informationen in diesem Beitrag zum Thema Krankenversicherung für Beamtenanwärter weiter. Zum Verständnis: Die private Krankenversicherung wird PKV abgekürzt, die gesetzliche Krankenversicherung mit GKV.

Infos zur GKV

Wenn du einer GKV beitrittst, wirst du als freiwilliges Mitglied geführt. Tust du das, verzichtest du auf deinen Anspruch auf Beihilfe, weil die GKV 100 % der Krankheitskosten als Sachleistungen auszahlt. Du erhältst eine Gesundheitskarte, mit der du medizinisch notwendige Behandlungen über deine Krankenkasse abrechnen lässt. Bezahlen musst du Arzneimittel und Hilfsmittel nicht, abgesehen von den gängigen Zuzahlungen.

Infos zur PKV

Alternativ kannst du bei einer PKV einen Vertrag abschließen. Als beitragszahlender Kunde der PKV musst du Rechnungen für Arztleistungen einreichen. Du bist Privatpatient und das bedeutet, dass du die anstehenden Kosten beim Arzt zuerst bezahlst und dann die Belege bei deiner PKV und der Beihilfestelle einreichst. Das Geld wird dir erstattet. Doch es gibt auch Argumente, die für eine gesetzliche Versicherung sprechen könnten. Die wichtigsten Vorteile und Nachteile sowie Hinweise zur Selbstbeteiligung kommen jetzt.

Vorteile und Nachteile einer PKV im Überblick
Ob die PKV die richtige Wahl für dich ist, hängt von dem Gewicht ab, welches du den Vor- und Nachteilen gibst. Ratsam ist, sich umfassend zu informieren und sich erst dann zu entscheiden.

Vorteile der PKV

Wenn du bei einer PKV versichert bist, übernimmt diese maximal die Restkosten von 50 Prozent. Schließlich tritt die Beihilfekasse für 50 % der entstehenden Kosten ein, was man als Äquivalent zum Arbeitgeberanteil bei Angestellten betrachten kann. Für dich bedeutet es, dass du die PKV auch nur über die verbleibende Hälfte abschließen muss. Das schlägt sich spürbar auf deine Beitragshöhe nieder.

  • Für Beamtenanwärterinnen und -anwärter können die Beiträge zur PKV sehr günstig ausfallen. Wenn du mit Anfang 20 eintrittst, liegen die monatlichen Beiträge zwischen 50 € und 80 €. Durch dein sicheres Einkommen laut der Besoldungstabelle ist dies für alle Beteiligten vorteilhaft.
  • Je jünger du zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bei der PKV bist, desto besser sind die Tarife, weil keine Gesundheitsrisikozuschläge anfallen.
  • Du kannst den Versicherungsschutz individuell nach deinen Präferenzen wählen. So lässt sich schon in jungen Jahren der perfekte Krankenversicherungsschutz realisieren.
  • Wenn du älter wirst und eine Familie gründest, profitieren auch Ehepartnerin bzw. Ehepartner/Lebenspartner und deine Kinder von deinem Beamtenstatus in Verbindung mit der PKV. Der Dienstherr übernimmt für den Partner/die Partnerin 70 %, für deine Kinder sogar 80 % der Krankheitskosten.
  • Auch während der Pensionszeit übernehmen Dienstherren in der Regel einen großen Teil der Krankenversicherungskosten, wobei der Anteil bei bis zu 70 % liegt.

Nachteile

  • Die Höhe der Beiträge orientiert sich nicht nach dem Einkommen. Das bedeutet, dass auch nach der aktiven Berufszeit die Beitragshöhe nicht sinkt. Sie kann sogar im Laufe der Zeit ansteigen. PKVs haben das Recht die Beiträge zu erhöhen, wenn die Kosten nachweislich 10 % höher als kalkuliert ausfallen. Eine Beitragsanpassung nach oben ist keine Seltenheit, da die Gesundheitskosten mit Blick auf die Vergangenheit stetig teurer geworden sind.
  • Wenn du dich einmal für eine Mitgliedschaft in einer PKV entschieden hast, kannst du praktisch nicht mehr in die GKV zurückwechseln.
  • Trittst du erst spät in die PKV ein, fällt die monatlichen Belastungen vergleichsweise hoch aus. Mit steigendem Alter werden Risikozuschläge berechnet, die den Beitrag verteuern.
  • Du musst die Arztkosten vorfinanzieren. Bei kostenintensiven Eingriffen und ärztlichen Leistungen kann das richtig teuer werden. Wenn das Geld von der PKV und der Beihilfestelle nicht rechtzeitig fließt, brauchst du entsprechende Rücklagen, auf die du zurückgreifen kannst.
     

Tipps für niedrigere Beiträge in der PKV
Wenn du die Höhe der monatlichen Beiträge bei der PKV reduzieren willst, kannst du einen Anbieter wählen, der Selbstbeteiligung anbietet. In Abhängigkeit von deinem Alter und dem vereinbarten Leistungsumfang lassen sich die Beiträge um bis zu 10 % mindern. Du solltest dir die Tarifmodelle genau ansehen. Es gibt vier verschiedene Konzepte.

  • Fixbetrag: Die Selbstbeteiligung mit Fixbetrag ist so konzipiert, dass du einen jährlich festen Beitrag selbst übernehmen muss, zum Beispiel 500 € oder 1000 €. Alles, was darüber hinausgeht, übernehmen dann die Krankenversicherungen. Solange du bisher keine Erfahrung mit langwierigen Behandlungen und Krankheiten machen musstest, scheint der günstige Beitrag durch die jährliche Selbstbeteiligung attraktiv zu sein. Doch bedenke, dass zum Beispiel die Behandlung bei einem Chirurgen zum Schienen eines gebrochenen Arms rasch 1000 € erreicht oder sogar übersteigen kann. Dieses Geld muss dir zur Verfügung stehen, weil du es sofort an den Arzt bezahlen musst.
  • Anteilige Kostenübernahme: Flexibler und überschaubarer sind Tarife, die pro beanspruchter Leistung einen gewissen Prozentsatz Selbstbeteiligung erfordern, zum Beispiel 10 Prozent. Das bedeutet, dass die PKV stets 90 % übernimmt und du 10 %. Diese Aufteilung gilt bezogen auf 50 % der Gesamtkosten, weil die Beihilfekasse grundsätzlich 50 % übernimmt. Somit bleibt dir ein echter Selbstbehalt von 5 % bezogen auf die Gesamtsumme.
  • Bausteinabhängige Selbstbeteiligung mit Fixbetrag: Bei diesem Konzept bezieht sich die Selbstbeteiligung nur auf bestimmte Versicherungsbausteine, zum Beispiel nur bei Zahnbehandlungen oder bei ambulanten Behandlungen. Du zahlst deinen Anteil direkt an den Arzt, den Rest übernehmen die PKV und die Beihilfekasse.
  • Leistungsdynamische Selbstbeteiligung: In dieser Variante übernimmst du bei jedem Arzttermin, bei jeder Behandlung und bei jedem verschriebene Medikament einen festen Selbstbehalt. Im Vertrag wird eine Maximalsumme festgelegt, die du leisten muss.

Fazit: PKV ist eine interessante Alternative für Beamtenanwärter
Krankenversicherungen gehören definitiv zu den Versicherungen, die Azubis unbedingt brauchen. Die PKV ist für Beamtenanwärter eine interessante Option, da die Beitragshöhe grundsätzlich überschaubar ist. Da der Dienstherr auch in der Pensionsphase in der Regel den größten Anteil der Krankenversicherungsbeiträge übernimmt, können sich Beamte im Ruhestand auch im Alter eine leistungsstarke PKV leisten.
 

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