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Jenseits von Krankenhäusern und Altenheimen: Die etwas anderen Helferberufe

Es gibt viele junge Menschen, die einen ausgeprägten Helfersinn haben, die wirklich etwas Gutes tun möchten, auch beruflich.

Wenn du zu dieser Gattung gehörst, hast du dich sicherlich auch schon über klassische Pflegeberufe informiert, Kranken- oder Altenpfleger etwa, als wichtigste Paradebeispiele.

Doch so unterbesetzt diese beiden Berufe auch sind, so leicht du deshalb an eine Ausbildungsstelle kommen könntest, so sehr ist es doch eine Tatsache, dass gerade diese Jobs überdurchschnittlich anstrengend und dafür häufig unterdurchschnittlich bezahlt sind.

Wenn die Pflege-Klassiker deshalb für dich nicht infrage kommen, ist das nicht moralisch verwerflich, denn keinem Pflegebedürftigen wäre geholfen, wenn du dich in einer Ausbildung „verbrennst“, die dir nicht wirklich gefällt.

Ein tatsächlicher Fehler wäre es allerdings, nicht auch weiterhin deine Helfernatur bei der Jobwahl zu berücksichtigen. Denn es gibt auch noch andere Berufe, in denen du beistehen kannst. Etwa die, die wir für den folgenden Artikel zusammengestellt haben.

Info: Zwar gibt es auch noch weitere medizinische Lehrberufe. Für diesen Text haben wir uns jedoch auf solche beschränkt, die auch vergütet werden und bei denen du nicht noch Geld zahlen musst.

1. Medizinische/r Fachangestellte/r (Arzthelfer/in)

Es ist für viele angehende Azubis nicht einmal so sehr das Gehalt bei der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Altenpfleger, sondern die Tatsache, dass man praktisch überall bereits im ersten Lehrjahr (sofern man volljährig ist) in ein vollwertiges Dreischichtsystem eingebunden wird.

Denn Schichtarbeit ist die Krönung eines ansonsten schon sehr anstrengenden Berufs. Sie macht erwiesenermaßen krank und demoliert so manche zwischenmenschliche Beziehung.

Allerdings hast du die Option, auch anderweitig in einem vollends medizinischen Umfeld zu arbeiten. In einem Job, der sehr viele Parallelen zum Pfleger hat, dem medizinischen Fachangestellten, eben dem klassischen Arzthelfer.

Statt in Krankenhäusern oder Pflegeheimen arbeitest du in Arztpraxen, teilweise auch Behörden oder sogar großen Unternehmen, die sich eine eigene Kranken-/Unfallstation leisten.

Sehr vieles, was das Medizinisch-Pflegerische anbelangt, ist auch hier vorhanden, wenngleich der MFA-Beruf etwas mehr Administrations-lastig ist, du also häufiger am Computer sitzen wirst.

Ausbildungszeit: Drei Jahre

Mindestabschluss: Mittlere Reife (empfohlen)

2. Hörakustiker/in

Wenn das Gehör nachlässt, hat das nicht nur eine reduzierte Lebensqualität zur Folge. Im Gegenteil, je nachdem, welchen Beruf Menschen ausüben, kann ihre gesamte Existenz daran hängen, gut funktionierende Ohren zu besitzen.

Genau das ist jedoch das Problem: Längst nicht alles davon kann man auf medizinische Weise heilen. Das wiederum führt uns zu einem sehr vielfältigen Berufsbild, das sowohl Helfen wie Hochtechnologie beinhaltet, dem Hörakustiker.

Dort bist du sowohl derjenige, der sich in die Sorgen und Nöte der Patienten einfühlen können musst, wie du auch:

  • Gehörtests durchführst
  • Gehörhilfen aussuchst, darüber berätst und sie anpasst
  • Solche Hilfen einstellst, sie reparierst

Damit hilfst du auf klassische Weise, bist allerdings dabei eher in das Umfeld einer hochmodernen Digitalwerkstatt eingebunden.

Ausbildungszeit: Drei Jahre

Mindestabschluss: Mittlere Reife (empfohlen)

Besonderheiten: Inkludiert oft Samstagsarbeit wegen der Einzelhandels-ähnlichen Auslegung vieler Betriebe

3. Chirurgiemechaniker/in

Du fragst dich, was Mechaniker in der Chirurgie zu suchen haben und denkst dabei an Schwarzeneggers Paraderolle? Nein, so weit sind wir noch nicht, aber tatsächlich sind Chirurgiemechaniker nicht allzu weit von metallischen Gliedmaßen entfernt.

Denn in der Chirurgie bestehen enorm viele Dinge aus hochwertigen Metallen, Kunststoffen und Keramiken. Das beginnt beim Operationsbesteck und zieht sich bis hinein in die Nägel, mit denen Frakturen stabilisiert werden oder den dämpfenden Kunststoffscheiben bei Ersatzgelenken.

Einer muss all diese Dinge herstellen. Und zwar nicht „one Size fits all“, sondern gerade bei Implantaten auch sehr patientenspezifisch. Genau das macht der Chirurgiemechaniker.

Um diesen Job zu machen, benötigst und erlernst du einen faszinierenden Wissens-Mix:

  • Menschliche Anatomie
  • Chirurgische Arbeitsabläufe
  • Klassisch-handwerkliche Materialbeschaffung und Verarbeitung

Dein Arbeitsort sind dabei weniger Operationssäle, sondern Werkstätten, in denen die benötigten Dinge hergestellt werden. Du bist damit zwar eher ein klassischer Handwerker, aber einer, dessen Arbeitsergebnisse dem Menschen vielleicht so sehr helfen wie in keinem anderen verwandten Beruf.

Ausbildungszeit: Dreieinhalb Jahre

Mindestabschluss: Hauptschule

4. Augenoptiker/in

Mit den Augen ist es, wenn sie nachlassen, für die Betroffenen ein ähnliches Dilemma wie mit dem Gehör: Im Zweifelsfall wird das ganze Leben auf den Kopf gestellt.

Damit kommen wir zur einem Ausbildungsberuf, der viele Parallelen zum Hörakustiker aufweist, aber dennoch auch signifikant davon abweicht, dem Augenoptiker.

Auch dies ist ein Job, der sowohl direkt mit den Patienten zu tun hat, wie er digitales und handwerkliches Geschick erfordert:

  • Durchführen von Sehtests
  • Beratung und Verkauf
  • Herstellen, Reparieren und Anpassen von Sehhilfen

Darüber hinaus ist der Beruf durch eine gewisse Zweigleisigkeit gekennzeichnet. Auf der einen Seite findest du Augenoptiker im typischen Brillengeschäft. Auf der anderen Seite sind sie aber auch bei den Herstellern zu finden und in die Linsenproduktion eingebunden.

Ausbildungszeit: Drei Jahre

Mindestabschluss: Mittlere Reife (empfohlen)

Besonderheiten: Inkludiert in klassischen Optikhäusern oft Samstagsarbeit

5. Hebamme / Entbindungspfleger

Kinder auf die Welt zu bringen, ist eine Mammutaufgabe, die ohne professionelle Helfer kaum risikofrei durchzuführen ist.

Und damit kommen wir zur Hebamme bzw. ihrem männlichen Pendant, dem Entbindungspfleger, einem der selbstständigsten medizinischen Jobs ohne Medizinstudium.

Eines schon vorweg: Dieser Beruf weist ähnlich „chaotische“ Arbeitszeiten wie Kranken- oder Altenpfleger auf - Babys kommen nun einmal zu jeder Uhrzeit auf die Welt.

Allerdings hilfst du in diesem Job nicht nur bei der Geburt (vielfach auch anstelle eines Arztes), sondern bist ein echtes Multitalent:

  • Durchführen von Vorbereitungskursen
  • Begleitung von werdenden Eltern
  • Psychologische Beratung
  • Durchführen von Vorsorgeuntersuchungen
  • Assistieren bei Komplikationen
  • Hilfe bei der Nachsorge

Ein unglaublich vielfältiges Aufgabenspektrum, das sowohl klassische Kliniken wie Geburtshäuser, Beratungsstellen und Heime anbieten und in dem ebenfalls händeringend Nachwuchs gesucht wird – unzählige Glücksmomente als steuerfreier Bonus inklusive.

Übrigens: In kaum einem anderen Beruf gibt es so wenige Männer, dabei können auch sie den Job genauso gut durchführen.

Ausbildungszeit: Drei Jahre

Mindestabschluss: Mittlere Reife

6. Tiermedizinische/r Fachangestellte/r (Tierarzthelfer/in)

Es muss nicht immer der Mensch sei. Im Gegenteil, auch Tiere benötigen Leute, die sich um sie kümmern – und zwar nicht nur Haus- sondern auch andere Tiere.

Hier kommt der Beruf des Tierarzthelfers. Was das rein Medizinisch-Administrative anbelangt, hat er viele Schnittmengen mit dem menschlichen Arzthelfer. Allerdings auch eine echte Besonderheit: Wo Menschen immer Menschen sind, kommst du in diesem Job vom größten Hund bis hinab zum Zwerghamster mit unterschiedlichsten Rassen in Kontakt.

Grundvoraussetzung ist deshalb, dass du keinerlei Tierscheu hast – die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann auch mal jemand seine Vogelspinne oder Ähnliches in die Praxis bringt, ist mittlerweile ziemlich groß.

Klassischer Arbeitsort sind normale Tierarztpraxen. Daneben allerdings auch größere Tierkliniken, Institute, Tierheime und sogar einige Zoos!

Ausbildungszeit: Drei Jahre

Mindestabschluss: Mittlere Reife (empfohlen)

Fazit

Wenn du so sehr helfen möchtest, dass du es zum Beruf machen willst, musst du dich nicht nur auf die beiden Klassiker fokussieren. Sie sind auch eine Option, aber längst nicht die einzige. So vielfältig wie die Nöte von Lebewesen sind, so vielfältig ist auch die Zahl derjenigen Jobs, die sich damit befassen. Und vieles davon geht auch ohne eine Kombination aus hohen körperlichen und seelischen Anforderungen gepaart mit Schichtdienst und geringen Gehältern – und kein Job davon ist mehr oder weniger wert, denn Hilfe ist Hilfe.

 

Bildquellen:

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