Prüfungsanfechtung - Deine Möglichkeiten bei nicht erbrachten Prüfungsleistungen

Viele Studenten kennen die Situation, die entsteht, wenn Stress und Zeitdruck vor Prüfungen überhandnehmen. Eine Prüfung nicht zu bestehen, muss nicht zwangsläufig ernsthaftere Konsequenzen nach sich ziehen, abhängig vom Studium und vom jeweiligen Bereich, in dem diese abgelegt werden muss. Gehört sie allerdings zu den Pflichtfächern, muss sie nach einem ersten Fehlversuch zumindest wiederholt werden. Wenn sich ein zweiter an den ersten Fehlversuch anschließt, nähern wir uns langsam der kritischen Zone, in der die Weiterführung des Studiums auf Messers Schneide steht. Es spielt für dich allerdings keine Rolle, wie viele Versuche und Fehlversuche du bei Erbringung der Prüfungsleistung bereits gestartet hast, entscheidend ist, dass du die Bewertungen von Prüfungen grundsätzlich anfechten kannst.

Sinn macht dies freilich in erster Linie für diejenigen, deren berufliche Zukunft tatsächlich durch die Nichterbringung einer speziellen Leistung gefährdet ist. In jedem Fall ist es aber sinnvoll, sich über die Vorteile und Risiken einer Prüfungsanfechtung zu informieren.

Juristische Grundlagen:

Grundlage für eine Klage bildet Artikel 12 Absatz 1 im Grundgesetz, der das Grundrecht auf freie Berufswahl beinhaltet. Da eine nicht bestandene Prüfung in dieses Recht des Prüflings eingreifen kann, sind Bewertungen grundsätzlich immer rechtlich überprüfbar. Es gilt also, ein Anwaltsbüro zu beauftragen, das den Fall übernimmt und sich im Zuge dessen bemüht, den jeweiligen Prüfern Verfahrens- oder Bewertungsfehler nachzuweisen. Diese Möglichkeit bildet das Fundament der Prüfungsanfechtung.
Die Anfechtung selbst offeriert dir zwei Möglichkeiten, wie du den Prozess gestaltest.

Möglichkeit 1: Widerspruch und Klage

  • Die beauftragte Kanzlei legt Widerspruch gegen das Prüfungsergebnis ein oder reicht direkt eine Klage an.

  • Im Rahmen dieses Verfahrens erhält sie Akteneinsicht und hat die Möglichkeit, Verfahrensfehler und Bewertungsfehler vorzubringen.

  • Im Anschluss muss Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht werden, um das Recht des Mandanten durchzusetzen, falls das Widerspruchsverfahren erfolglos verläuft.

Wird nun gegen die Bewertung selbst vorgegangen, musst du dem Prüfer eine fachliche Fehleinschätzung nachweisen oder schlicht einen Bewertungsfehler. Findet die Kanzlei Fehler, muss der Prüfer tatsächlich seine Bewertung überdenken und gegebenenfalls eine neue Note vergeben. Trotzdem wird die Neubewertung eben durch denselben Prüfer vorgenommen, was nicht zwangsläufig eine Verbesserung der erhaltenen Note zur Folge haben muss. Wenn eine Prüfung also sprichwörtlich „in den Sand gesetzt“ wurde, hilft ein inhaltlicher Angriff auf die Bewertung nur selten weiter und Fehler oder Fehleinschätzungen in diesem Gebiet sind ohnehin nur sehr schwer nachzuweisen.


Verfahrensfehler: 

Lohnender kann es daher sein, das Verfahren selbst genauer zu untersuchen, statt sich auf Bewertungskriterien zu fokussieren. Verfahrensfehler sind nämlich im Zweifelsfall leichter zu finden. Das Prüfungsverfahren selbst muss immer korrekt ablaufen, daher wird Verfahrensfehlern in der Rechtsprechung große Bedeutung beigemessen. Erfasst wird der formale Ablauf in seiner Gesamtheit, von der Einbestellung der Prüfer über die Wahl der Aufgaben bis zur Prüfungserbringung durch die Studierenden. Verfahrensfehler unterlaufen tatsächlich relativ häufig, diese müssen allerdings, sofern sie dem Prüfling auffallen, von diesem auch unmittelbar angesprochen werden. Darum konzentrieren sich Anwälte in aller Regel auf Fehler, die die Prüfungsbehörde während verwaltungsinterner Verfahren begeht. Diese kann der zuständige Anwalt daher auch erst im Nachgang aufdecken und ansprechen.

Typische Schnitzer, die du in diesem Zusammenhang für dich nutzen kannst, passieren zum Beispiel bei Multiple-Choice-Prüfungen. Diese sind nur selten rechtmäßig ausgestaltet. Auch unsachliche Bemerkungen – etwa beleidigende Randbemerkungen – sind rechtswidrig. Du kannst dem Prüfer anhand von Solchen Befangenheit unterstellen. Das Aufspüren von Verfahrensfehlern kann also zuverlässigere Ergebnisse zeitigen, als die Suche nach Unstimmigkeiten in der Bewertung selbst. Allerdings ist beides extrem zeit- und unter Umständen auch kostenaufwändig.

Möglichkeit 2: gerichtlicher Eilantrag

  • Da das Widerspruchsverfahren mehrere Monate dauern kann und das Klageverfahren sogar Jahre, kannst du ein sogenanntes „verwaltungsgerichtliches Eilverfahren“ beantragen lassen.

  • Hierdurch kannst du einen erneuten Prüfungsversuch erstreiten.

  • Du erhältst eine schnellere gerichtliche Einschätzung, die im besten Falle zu einem zeitnahen Vergleich zu deinen Gunsten führen kann.

Diese Möglichkeit ist durchaus empfehlenswert, falls Studenten nicht über den gesamten Zeitraum der Verfahrensdauer ihr Prüfungswissen aufrecht erhalten wollen oder können, um im Optimalfall die jeweilige Prüfung nach einigen Monaten zu wiederholen. Schließlich besteht auch im Wiederholungsfall keine Garantie, dass der Prüfling die Klausur besteht.

Fazit: 

Eine Prüfungsanfechtung bringt sowohl einen nicht zu unterschätzenden Kosten- als auch Zeitaufwand mit sich, den du nur auf dich nehmen solltest, wenn du in beiden Feldern über ausreichende Ressourcen verfügst. Zusatzausgaben fallen an, falls das Gericht die Klage abweist, dann trägst du nämlich gleichzeitig die Kosten für die Honorare der Anwälte der Gegenseite. Grundsätzlich solltest du dich sehr genau über Sinn- und Unsinn einer Klage informieren und im besten Falle den Rat eines Experten in diesem Gebiet einholen. Die Entscheidung, wie viel dir selbst das Fortkommen im Studium wert ist, musst du freilich selbst treffen.


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