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Ausbildungszeugnis: Welche Rechte haben Azubis?

Wenn sich deine Ausbildung dem Ende nähert, stellt sich für dich die Frage, wie es anschließend weitergehen wird. Übernimmt dich der Betrieb? Oder musst beziehungsweise möchtest du dich bei einem anderen Arbeitgeber bewerben? Vielleicht willst du ja sogar studieren gehen oder mit einer anderen Ausbildung noch einmal neu anfangen? Je nachdem, wofür du dich entscheidest, sind verschiedene Unterlagen für deinen weiteren Werdegang notwendig. Da stellt sich für dich vielleicht die Frage, ob du denn eine Art Arbeitszeugnis von deinem Ausbildungsbetrieb erhältst? Wir erklären dir, wie es um deine Rechte als Azubi steht…

Habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja, als Auszubildende/r hast du das Recht, am Ende deiner Berufsausbildung ein entsprechendes Zeugnis zu verlangen. Es wird dann im Regelfall nicht als Arbeits-, sondern als Ausbildungszeugnis bezeichnet. Dieses Recht ergibt sich aus dem § 16 BBiG Berufsbildungsgesetz (BBiG). Demnach haben Ausbildende „bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein schriftliches Zeugnis auszustellen“. Unterschieden wird dabei zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis:

  • Das einfache Zeugnis ist sozusagen eine reine Bestätigung, die lediglich deine Personalen, die Art sowie Dauer deiner Beschäftigung enthält. Du kannst damit also nachweisen, dass du für diesen Betrieb gearbeitet hast, wann und in welcher Position. Eine Leistungsbewertung findet hingegen nicht statt. Ein solches einfaches Zeugnis hinterlässt daher stets den Eindruck, dass deine Leistung nicht sonderlich gut oder sogar sehr schlecht war – und du deshalb kein qualifiziertes Ausbildungszeugnis gefordert hast.

  • Denn das qualifizierte Zeugnis enthält neben den Angaben eines einfachen Zeugnisses auch eine umfassende Beurteilung deiner Leistungen. Der Arbeitgeber gibt detailliert an, in welchen Arbeitsbereichen du tätig warst, welche Aufgaben du ausgeführt hast und wie zufrieden er im Allgemeinen mit dir war. Neben den fachlichen Leistungen berücksichtigt er dabei auch persönliche Kriterien wie deine Leistungsbereitschaft oder zum Beispiel dein Arbeitstempo.

Wie ein normaler Arbeitnehmer auch, musst du als Auszubildende/r von deinem Arbeitgeber also gezielt ein qualifiziertes Arbeits- beziehungsweise Ausbildungszeugnis fordern. Ansonsten ist dieser lediglich zur Ausstellung eines einfach Zeugnisses verpflichtet.

Wofür ist so ein Zeugnis überhaupt wichtig?

Wenn du dich nun fragst, weshalb du überhaupt ein solches Zeugnis fordern solltest, lautet die Antwort: Arbeitszeugnisse sind bei späteren Bewerbungen das mitunter wichtigste Dokument in deinen Unterlagen. Jeden zukünftigen Arbeitgeber wird also mehr interessieren, wie deine Leistungen bewertet wurden, anstatt zu genau auf deine Schulnoten zu achten. Da du als Auszubildende/r vermutlich noch kein solches Arbeitszeugnis hast – oder zumindest noch nicht sehr viele – stellt das Ausbildungszeugnis also den ersten nennenswerten Anhang für deine Bewerbungsunterlagen nach deinen Schulzeugnissen dar. Bestenfalls scannst du es also in guter Qualität ein, verwandelst es in ein PDF und hängst dieses an deine Bewerbung an (vorausgesetzt natürlich, es handelt sich wie heutzutage üblich um eine Online-Bewerbung). Dafür stehen dir verschiedene kostenlose Möglichkeiten zur Verfügung. Alles in allem, gibt deine Bewerbung dadurch ein professionelleres Bild ab, wodurch deine Chancen auf den Job erheblich steigen.

Und was, wenn du dich gerade nicht bewerben möchtest oder musst, weil du beispielsweise anschließend wieder auf eine Schule gehst oder von deinem Ausbildungsbetrieb übernommen wirst, fragst du dich jetzt? Auch dann empfiehlt sich dennoch die Anforderung eines solchen qualifizierten Zeugnisses. Denn selbst, wenn du dich erst in einigen Jahren wieder irgendwo bewirbst, bleibt dieses ein wichtiges Dokument für jeden zukünftigen Arbeitgeber. Es in deinen Unterlagen zu haben, schadet also nicht. Solltest du es doch niemals brauchen, hast du dadurch ja auch nichts verloren. Sicher ist also sicher!

Kannst du ein Zwischenzeugnis beantragen?

Wenn du bereits vor dem Ende deiner Ausbildung ein Zwischenzeugnis wünschst, ist die Gesetzeslage weniger eindeutig. Rechtlich gesehen hast du darauf also zwar keinen Anspruch, jedoch werden entsprechende Regelungen oft durch Tarifverträge oder Gewerkschaften festgehalten. In den meisten Fällen ist es also möglich, ein Zwischenzeugnis zu beantragen, wenn das Beschäftigungsverhältnis vor Abschluss deiner Ausbildung endet, beispielsweise aufgrund einer Kündigung, oder wenn du dich woanders bewerben möchtest.

Das bedeutet aber auch: Wenn du mit dem Anliegen eines Zwischenzeugnisses zu deinem Ausbilder gehst, könnte er daraus schlussfolgern, dass du das bestehende Ausbildungsverhältnis demnächst kündigen oder zu einem anderen Ausbildungsbetrieb wechseln möchtest. Offene Kommunikation ist daher das A und O, um Missverständnisse zu vermeiden. Gegen Ende deiner Ausbildung ist die Ausstellung eines solchen Zwischenzeugnisses jedoch nicht unüblich – schließlich enden die Bewerbungsfristen für Arbeitsplätze, Studiengänge & Co häufig schon bevor du dein Abschlusszeugnis erhältst.

Was bedeuten die Floskeln wirklich?

Wenn du nun also dein Ausbildungszeugnis in der Hand hältst, sei es ein Zwischen- oder dein Abschlusszeugnis, wirst du darin keine Noten und auch keine konkreten Aussagen findet. Stattdessen werden in Arbeitszeugnissen spezielle Formulierungen verwendet. Auf den ersten Blick klingen diese eigentlich immer positiv. Auf den zweiten Blick kann sich dahinter aber eine versteckte negative Botschaft verbergen. Als Auszubildende/r ist es daher wichtig, diese Floskeln richtig deuten zu können, damit du nicht versehentlich ein schlechtes Zeugnis in deine Bewerbungsunterlagen aufnimmst. Auf der Suche nach einer Art Schulnote gilt folgendes Raster:

  • Die Note 1 entspricht der Formulierung: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit…“
  • Die Note 2 entspricht der Formulierung: „stets zu unserer vollen Zufriedenheit…“
  • Die Note 3 entspricht der Formulierung: „zu unserer vollen Zufriedenheit…“
  • Die Note 4 entspricht der Formulierung: „zu unserer Zufriedenheit…“
  • Die Note 5 entspricht der Formulierung: „im Großen und Ganzen zufrieden…“
  • Die Note 6 entspricht der Formulierung: „hat sich bemüht…“

Zusätzlich können weitere Fallen lauern, die eine Art „Geheimcode“ für eine abwertende Formulierung darstellen. Lies dein Ausbildungszeugnis daher aufmerksam durch oder – besser noch – lass es einem Experten zur Prüfung zukommen. Vielleicht hast du ja Bekannte aus dem Personalwesen oder du tauschst dich in entsprechenden Internetforen mit erfahrenen Usern aus.

Kannst du das Ausbildungszeugnis reklamieren?

Wofür das alles, fragst du dich jetzt? Einerseits möchtest du sicherlich wissen, wie gut dein Zeugnis wirklich ist und ob es für deine Bewerbung eine Bereicherung darstellt oder nicht. Andererseits hast du so aber bei einem als unfair empfundenen Ausbildungszeugnis noch die Möglichkeit, dieses zu reklamieren. Am besten suchst du dafür das Vieraugengespräch mit der ausstellenden Person. Du solltest dann höflich und freundlich erläutern, welche Textpassagen du als zu schlecht bewertet erachtest und weshalb. Bei Bedarf kannst du sogar Einsicht in deine Personalakte fordern. Kommt ihr zu keiner Einigung, hast du nur noch drei Möglichkeiten:

  1. Entweder du akzeptierst das Ausbildungszeugnis
  2. oder du suchst das Gespräch mit der Personalabteilung beziehungsweise einem Vorgesetzten des Zeugnisausstellers
  3. oder du leitest beim Arbeitsgericht rechtliche Schritte ein.

Du hast kein Zeugnis erhalten…und jetzt?

Solltest du wider Erwarten nach dem Ende deiner Ausbildung kein Zeugnis von deinem Arbeitgeber erhalten, wartest du am besten noch zwei bis drei Wochen – wenn das möglich ist. Trudelt es dann immer noch nicht ein, musst du es einfordern. Das machst du am besten schriftlich per Einschreiben, sodass du diese Forderung im Streitfall später nachweisen kannst. Dennoch gilt es, freundlich zu bleiben, anstatt direkt zu drohen oder gar beleidigend zu werden. Dein Schreiben könnte wie folgt aussehen:

Gemäß § 16 Berufsbildungsgesetz habe ich bei Beendigung meiner Ausbildung einen Anspruch auf ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis. Da ich meine Ausbildung zum XX.XX.XXXX beendet und noch kein Zeugnis erhalten habe, bitte ich Sie darum, mir ein solches bis zum XX.XX.XXXX auszustellen. Ich benötige dieses dringend für meine Bewerbungen und meinen weiteren beruflichen Werdegang.

Eine angemessene Frist umfasst etwa zwei Wochen. Wenn gewünscht, kannst du zudem erwähnen, dass du im Fall eines Verstreichens dieser Frist deine Ansprüche gerichtlich durchsetzen musst. Solltest du noch minderjährig sein, müssen übrigens auch deine Eltern diesen Brief unterzeichnen. Gepaart mit einer freundlichen Begrüßung sowie Verabschiedung, stehen deine Chancen dann gut, dass dein Anliegen erhört wird.

 

Bild 1: Adobe Stock © Alexander Raths

Bild 2: Adobe Stock © Jacob Lund


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