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Anwalt nehmen als Student(in): Wer zahlt eigentlich dafür?

Eigentlich ist das Studium eine unbeschwerte Zeit – bis auf die Prüfungen natürlich, welche dir im Nacken sitzen. Als Student/in steht dir die ganze Welt offen und endlich kannst du ausziehen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Das bedeutet aber auch, dass der Ernst des Lebens an der einen oder anderen Stelle Einzug halten wird. Manchmal handelt es sich dabei um die kleinen Schwierigkeiten des Alltags, welche sich problemlos aus dem Weg räumen lassen. Eine Unstimmigkeit mit dem Mitbewohner vielleicht oder die Absage deiner Bewerbung auf einen Nebenjob. Doch hin und wieder kommt es im Leben auch zu größeren Streitigkeiten, die sich ohne Anwalt oder den Gang vor Gericht nicht klären lassen. Für Studierende, die bekanntlich meist knapp bei Kasse sind und auch noch keine hohen Ersparnisse haben, stellt sich dann die Frage: Kann ich mir einen Anwalt überhaupt leisten und wie?

Immer zuerst die außergerichtliche Klärung versuchen

Vermutlich hast du dich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt. Wenn dann plötzlich ein anwaltliches Schreiben im Briefkasten liegt oder beispielsweise der Vermieter mit einem Gerichtsprozess droht, rutscht dir das Herz in die Hose. Das ist vollkommen normal, denn Anwälte und Gerichte kosten eine Menge Geld, was ein offenes Geheimnis ist. Aber genau dieses Geld hast du als Student/in vermutlich nicht. Also was dann…Schulden aufnehmen? Privatinsolvenz anmelden? Nein, denn erst einmal lautet die Devise: Keine Panik!

Bevor du dir nun einen Anwalt suchen musst, versuch es erst einmal mit einer außergerichtlichen Klärung. Du hast schlichtweg vergessen, die Stromraten zu begleichen und hast jetzt eine dicke Mahnung vorliegen? Dann ruf an, entschuldige dich freundlich und bitte darum, dass man dir die Mahngebühren erlässt – wenn du dafür sofort den ausstehenden Betrag begleichst. Oder dein Vermieter möchte aufgrund von geplanten Modernisierungsmaßnahmen kündigen, aber du brauchst die Bude? Dann vereinbare ein persönliches Gespräch und bitte ihn um einen Kompromiss…beispielsweise, dass er noch ein Jahr wartet, bis du sowieso mit deinem Studium fertig bist und ausziehst.

Diese sind nur zwei Beispiele von vielen, aber so oder so ähnlich kommen sie in der Realität häufig vor. Mit Freundlichkeit und offener Kommunikation lässt sich also vieles klären – auch ohne Anwalt. Je nach individueller Situation, ist es daher vielleicht sinnvoll, erst eine außergerichtliche Klärung zu versuchen. Wenn das hingegen nicht funktioniert, bleibt dir tatsächlich nur noch der Gang zum Anwalt.

Wann ist ein Anwalt sinnvoll oder notwendig?

Es gibt also Situationen, in welchen du schlichtweg nicht drumherum kommst, einen Anwalt zu konsultieren. Das ist immer dann der Fall, wenn du von anderer Seite „angeklagt“ wirst. Theoretisch könntest du dich zwar selbst verteidigen und alleine auf anwaltliche Briefe antworten oder vor Gericht erscheinen. Allerdings hast du als Laie dabei kaum eine Chance gegen den erfahrenen Profi – und auch als Jurastudent/in solltest du dein Können nicht überschätzen.

Demgegenüber gibt es noch eine weitere Situation, in welcher der Anwalt die beste Option ist: Wann immer du dich unrechtmäßig behandelt fühlst, aber außergerichtlich keine Einigung erwirken kannst, hilft dir ein Anwalt bei der Durchsetzung deines Rechts. Dir wird vorgeworfen, einen Täuschungsversuch unternommen zu haben und nun sollst du von der Uni fliegen?  So weit muss es nicht kommen, wenn ein professioneller Anwalt dir bei deiner Verteidigung hilft. Du hast einen Kredit aufgenommen, beispielsweise für dein Auto oder die Einrichtung deiner Wohnung, und erst hinterher gemerkt, dass es sich um einen wucherähnlichen Vertrag handelt oder dieser nicht gesetzesgetreu ausgestellt wurde? Auch das musst du dir nicht gefallen lassen. Ebenso wenig die Kündigung durch den Vermieter, eine ungerechtfertigte Mahnung und, und, und…

Die Liste der Beispiele könnte ewig weitergeführt werden. Und an dieser Stelle will natürlich gesagt sein, dass ein Anwalt keine Garantie darauf ist, dass du deinen Willen durchsetzen kannst. Wenn du aber objektiv gesehen tatsächlich im Recht bist, hilft er dir dabei, dieses Recht durchzusetzen – oder zumindest eine faire Einigung zwischen den Streitenden zu erwirken.

Bekommst du finanzielle Unterstützung?

Angenommen also, du musst oder willst einen Anwalt konsultieren. Für dich als Studierende/r stellt sich dann gewiss zuerst die Frage nach dem Geld. Wenn nicht gerade deine Eltern aushelfen oder du aus irgendeinem Grund viel Geld hast, stellen die Finanzen in dieser Situation nämlich häufig das größte Problem dar.

Aber hier kommt die gute Nachricht: Tatsächlich kannst du auch als Student/in finanzielle Hilfe bekommen, wenn du dir einen Anwalt aus eigener Tasche nicht leisten kannst. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Beratungshilfe: Bei der sogenannten Beratungshilfe handelt es sich um eine finanzielle Unterstützung durch den Staat, die aus Steuergeldern finanziert wird. Sie dient dem Zweck, dass du eine Rechtsberatung bei einem Anwalt in Anspruch nehmen oder eine außergerichtliche Rechtsvertretung organisieren kannst. Allerdings musst du verschiedene Voraussetzungen erfüllen, um die Beratungshilfe beantragen zu können. Aber dazu später mehr.

  2. Rechtsberatung der Universität: Konntest du dich nicht für die Beratungshilfe qualifizieren oder wünscht erst einmal eine kostenfreie Variante, bietet deine Universität eventuell eine Rechtsberatung an. Viele Institute offerieren einen solchen kostenlosen Service, um die Studierenden bei ihren Problemen zu unterstützen – und zwar in beinahe allen Belangen. Die Rechtsberatung wird von zugelassenen Anwälten durchgeführt. Was du benötigst, ist ein gültiger Studierendenausweis.

  3. Öffentliche Rechtsberatung: Da es in Bremen sowie Hamburg keine Beratungshilfe gibt, steht dir stattdessen die Möglichkeit einer öffentlichen Rechtsberatung offen. Diese findet bei speziellen Behörden statt, welche zugleich bei Bedarf auch eine Streitschlichtung beziehungsweise Mediation übernimmt. Ähnlich der Beratungshilfe, musst du dafür allerdings die Voraussetzungen gemäß § 1 Abs. 1 BerHG erfüllen.

Was das bedeutet, kannst du im folgenden Abschnitt nachlesen…

Voraussetzungen für die Beratungshilfe

Sowohl bei der öffentlichen Rechtsberatung als auch bei der Beratungshilfe kannst du also nur dann kostenfreie Leistungen in Anspruch nehmen, wenn du laut § 1 Abs. 1 BerHG (Beratungshilfegesetz) zu den bedürftigen Menschen beziehungsweise Menschen mit geringem Einkommen gehörst. Als Studierender fällst du mit großer Wahrscheinlichkeit in letztere Gruppe. Allerdings werden auch deine „persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse“ berücksichtigt. Hast du also zwar kein Einkommen, dafür aber ein großes Vermögen, musst du die Rechtsberatung aus eigener Tasche bezahlen. Beziehst du jedoch BAföG oder andere Beihilfen wie beispielsweise das Wohngeld, stehen deine Chancen auf eine Bewilligung der Beratungsbeihilfe gut. Was also musst du tun, um diese zu erhalten?

  • Du musst einen Antrag stellen. Diesen kannst du entweder direkt beim Amtsgericht einreichen oder du suchst einen Anwalt auf, welcher den Antrag für dich weiterleitet.

  • Empfehlenswert ist, dass du bei der zuständigen Geschäftsstelle persönlich erscheinst, um alle wichtigen Fragen direkt zu klären und den Bewilligungsprozess zu beschleunigen.

  • Dem Antrag beizufügen sind alle wichtigen Unterlagen, welche deine wirtschaftliche Situation abbilden. Das kann deine Steuererklärung sein, der BAföG-Bescheid, ein Kontoauszug, auf welchem weitere Sozialleistungen ersichtlich werden, oder ähnliche Bescheide, Abrechnungen & Co.

  • Außerdem musst du Unterlagen beifügen, welche den Grund und die Notwendigkeit der Rechtsberatung deutlich machen.

  • Wird dein Antrag bewilligt, erhältst du den Berechtigungsschein und kannst damit bei jeder niedergelassenen Rechtsanwaltskanzlei eine Beratung aufsuchen, welche dich dann nur noch eine Gebühr von zehn Euro kostet.

Die Beratungsbeihilfe deckt somit alle Ausgaben, die mit der außergerichtlichen Vertretung durch einen Anwalt einhergehen, wenn dieser bei Streitigkeiten im Sozial-, Zivil-, Verfassung- oder Verwaltungsrecht konsultiert wird. Einschränkungen gelten hingegen für das Strafrecht und für Ordnungswidrigkeiten – wenn du also selbst einen Fehler gemacht hast, der die Rechtsberatung notwendig werden lässt.

 

Bildquelle

Bild 1) adobe.stock / Wayhome Studio


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