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Private Altersvorsorge: Wie sich staatliche Förderungen nach der Ausbildung nutzen lassen

Eine finanzielle Absicherung für das Alter ist heute ein Thema, welches schon in der Ausbildung aufkommt. Schließich ist mittlerweile klar, dass die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht, um Altersarmut zu verhindern. Inzwischen beschäftigt die Frage nach der finanziellen Sicherheit im Alter viele Menschen. Das Ganze hat einen guten Grund: Seit Jahren nehmen Schlagzeilen und Medienberichte rund um das Thema Altersarmut zu.

Die Situation hat sich in einer Art und Weise geändert, dass inzwischen auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, wie die ARD, dieser gesellschaftlichen Herausforderung ganze Themenkomplexe widmen. Wer ist von Altersarmut besonders bedroht? Derzeit trifft es oft Frauen, die sich alleinerziehend um ihre Kinder gekümmert haben und aus diesem Grund keiner Vollzeitbeschäftigung über Jahre nachgehen konnten. Angesichts der Reformen bei den Altersrenten ist allerdings zu erwarten, dass in Zukunft auch Erwerbstätige mit heute regulärer Vollzeitbeschäftigung Probleme bekommen können. Welche Mittel lassen sich, auch mit staatlicher Förderung, für einen Vermögensaufbau nutzen? Und welche Vorteile bringt es, schon direkt nach der Ausbildung damit anzufangen?

Riester-Rente: Berühmteste Altersvorsorge-Förderung

Private Altersvorsorge hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Zuge der Reformen des Gesetzgebers wurde zwei geförderte Varianten geschaffen, die Rürup- und die Riester-Rente. Letztere ist nach Walter Riester benannt. Als ehemaliger Arbeitsminister gilt er als geistiger Vater der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.

Die Riester-Rente basiert im Kern auf einer Förderung durch Zulagen oder einen Sonderausgabenabzug. Das Finanzamt prüft im Einzelfall, welche der Varianten für den Steuerpflichtigen günstiger ist.

1. Wer kann Riester-Zulagen beanspruchen?

Wesentliche Grundvoraussetzungen sind die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland sowie die Rentenversicherungspflicht. Als unmittelbar (direkt) zulagenberechtigte Personen gelten:

  • Arbeitnehmer
  • Amtsträger
  • Selbständige mit Rentenversicherungspflicht
  • Bezieher von ALG I oder Krankengeld
  • Geringfügig Beschäftigte (ohne Befreiung von der Rentenversicherungspflicht).

Darüber hinaus kann eine mittelbare Zulagenberechtigung entstehen, wenn der Ehepartner unmittelbar Anspruch auf die Zulagen hat.

Tipp: Wer direkt nach der Ausbildung damit anfängt, kann die lange Förderdauer für sich nutzen und ein größeres Vermögen ansparen!

2. Höhe der Förderung durch Zulagen

Riester-Sparer erhalten jährlich, wenn der Sockelbeitrag erreicht wird, eine Zulage. Diese teilt sich in die Grundzulage für den Sparer und Kinderzulagen. Letztere variiert in der Höhe nach dem Geburtsjahr des Kindes.

  • Grundzulage: 175 Euro
  • Kinderzulage: 185 Euro/300 Euro (Kinder ab Geburtsjahr 2008)

Darüber hinaus erhalten Berufseinsteiger einen Bonus in Form einer Zulage von 200 Euro. Bedingung: Das 25. Lebensjahr darf noch nicht erreicht sein, also genau richtig für Azubis und Berufseinsteiger.

Damit ein kapitalbildender Vertrag in den Genuss einer Riester-Förderung kommen kann, müssen übrigens verschiedene Aspekte erfüllt sein. So ist eine Garantie für Beitrag und Zulagen zu geben oder Auszahlungen dürfen erst ab einem gewissen Alter erfolgen. Verbreitet sind im Bereich der Riester-Rente Produkte wie:

  • Banksparpläne
  • Rentenversicherung
  • Fondsgebundene Rentenversicherungen
  • Fondssparpläne.

3. Lohnt sich die Riester-Rente?

Die Riester-Rente hat einen schlechten Ruf. Schuld sind daran auch die Anbieter. Hohe Kosten und utopische Annahmen bei den Berechnungsgrundlagen sind nur zwei Kritikpunkte. Trotzdem kann sich der Abschluss lohnen, wenn die Voraussetzungen stimmen. Gerade Familien mit mehreren kleineren Kindern erreichen eine erhebliche Zulagensumme. Bei zwei Kindern geht es bereits um 600 Euro plus 175 Euro Grundzulage im Jahr. Ein Gutverdiener kann zudem durch den Sonderausgabenabzug Vorteile in Anspruch nehmen. Durch Fondssparpläne mit niedrigeren Kosten werden Riester-Produkte zudem modernisiert und auch wieder spannend.

Rürup-Rente: staatliche Förderung für Selbständige

Für Azubis ist die Rürup-Rente auf den ersten Blick nicht sehr interessant. Diese gilt in erster Linie für Selbständige. Die Förderung bei Rürup-Verträgen besteht einzig in einem Steuerabzug. Dabei ist in die Anspar- und Auszahlungsphase zu unterscheiden. In der Sparphase wird der mögliche Steuerabzug an die geltende Beitragsbemessungsgrenze gekoppelt. 2019 wäre ein Abzug von rund 24.300 Euro möglich. Aufgrund der Übergangsphase sind es aber nur 88 Prozent dieser Summe, also knapp 21.400 Euro. In der Auszahlungsphase muss 2019 ein Anteil von 78 Prozent der Rürup-Rente versteuert werden, ab 2040 sind es 100 Prozent.

Wer sich also später selbständig machen möchte, kann bei guten Umsätzen Einzahlungen in die Rürup-Rente von der Steuer absetzen und so günstig für das Alter vorsorgen.

Eigenverantwortlich vorsorgen: von Aktien bis Betongold

Private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung ist eine Seite der Medaille. Wer privat vorsorgen will, kann natürlich auch noch ganz andere Wege gehen. In den letzten Jahren sind die ehemaligen „Klassiker“, wie die kapitalbildende Lebensversicherung oder Rentenversicherungen, in den Hintergrund gerückt. Ein Grund ist deren Kosten, ein anderer die entfallenen Steuerprivilegien.

Wo eigenverantwortlich vorgesorgt werden soll, bieten sich verschiedene Optionen, wie:

  • Wertpapiere (Fonds, Aktien)
  • Immobilien
  • Sachwerte.

Private Vorsorge an der Börse

Gerade die Entwicklung an den Börsen wird allgemein immer wieder als Argument benutzt, um für mehr Aktienvermögen zu werben. Das Renditedreieck für den DAX scheint diese These tatsächlich zu untermauern. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lässt sich dabei als sehr grober durchschnitt für den deutschen Aktienmarkt betrachten. Wer hier sein Geld 20 Jahre lang angelegt hat, konnte im Durchschnitt eine Jahresrendite von 8,9% erwirtschaften.

Wie Azubis die Börse früh nutzen können

Ein früher Einstieg an der Börse kann Azubis vermögenstechnisch große Vorteile verschaffen. Jedes Jahr sorgt dafür, dass später deutlich mehr Geld zur Verfügung steht, da Rendite erwirtschaftet werden kann. Eine Beispielrechnung mit einem ETF-Sparplan (Einzahlung: 120 Euro pro Monat) auf DAX-Basis (Jahresrendite 8,9%) soll dies verdeutlichen:

Die Unterschiede sind gewaltig, was hauptsächlich am sogenannten Zinseszins-Effekt liegt. Wenn die Rendite ihrerseits wieder Rendite erwirtschaftet, summieren sich irgendwann riesige Beträge auf. Diese Beispielrechnung arbeitet mit einigen Vereinfachungen (stabiles Börsengeschehen, keine Gebühren), jedoch zeigt sie sehr deutlich den Zusammenhang zwischen Anlagedauer und späterem Vermögen.

Wer früh mit dem Sparen beginnt, kann später sorgenfrei in die Zukunft blicken.

Welche Schwierigkeiten die Börse mit sich bringen kann

Die Schwierigkeit besteht darin, dass ein Aktienportfolio aktiv verwaltet werden muss. Anleger können anfangs auf etwas riskantere Papiere mit höherer Rendite setzen, schichten später in sichere Anlagen um. Ohne Know-how drohen allerdings Verlustrisiken. Fonds bieten auf der anderen Seite die Gelegenheit, Kapital verwalten zu lassen, ziehen allerdings Kosten nach sich.

In den letzten Jahren haben sich ETFs zunehmend als Alternative profiliert. Die Nachbildung eines Aktienindex, sprich das passive Management, senkt Kosten, die Rendite liegt oft deutlich über anderen Sparprodukten.

Immobilien und Sachwerte

Immobilien oder Betongold liegt nach wie vor im Trend. Hier lässt sich sogar indirekt eine Förderung für den Ruhestand in Anspruch nehmen. Diverse staatliche Unterstützungen und Zulagen wie zum Beispiel die Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage sorgen dafür, dass die eigenen vier Wände Gestalt annehmen. Mit der Rente wohnen die Eigentümer anschließend mietfrei, wenn der Baukredit zu 100 Prozent getilgt ist. Wer die Förderung optimieren will, kann die Riester-Rente zudem ebenfalls zum Kauf einer Immobilie verwenden und hier noch von den hohen Zulagen für Kinder profitieren.

Achtung: Wird eine Immobilie als Anlageform in Erwägung gezogen, sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Dies betrifft unter anderem den Instandhaltungsaufwand sowie die Tatsache, dass bei Leerstand die Betriebskosten zu tragen sind.

Sachwerte wie Kunst oder Oldtimer sind in der Altersvorsorge ein zweischneidiges Schwert. Beides hat das Potenzial für hohe Wertsteigerungen, kann am Ende aber auch eine Kapitalvernichtungsmaschine sein. Prinzipiell ist in diesem Bereich anzuraten, nur mit dem nötigen Know-how einzusteigen.

Vorteile des Vermögensaufbaus in Eigenregie

Sich privat um die Altersvorsorge zu kümmern, hat im Vergleich zur Förderung, den Vorteil, dass sich sehr flexibel agieren lässt. Zudem kann sich jeder Anleger/Sparer sein persönlich passendes Portfolio zusammenschnüren und muss nicht auf Hürden und Hindernisse Rücksicht nehmen. Auf der anderen Seite wird diese Freiheit mit einem höheren Risiko erkauft.

Auch der Kauf einer Immobilie für die private Altersvorsorge wird mittlerweile staatlich gefördert. Hier gelten jedoch recht strikte Regelungen für die spätere Nutzung.

Fazit: Förderung und privat vorsorgen kombinieren

Die Altersvorsorge hat in den letzten Jahren an Brisanz zugenommen, so dass sich schon Azubis und Berufsanfänger damit beschäftigen sollten. Vom Staat in Form der Riester- und Rürup-Rente gefördert, haben diese Produkte zuletzt Kritik einstecken müssen. Auf der anderen Seite bietet eigenverantwortlich Sparen viele Freiheiten, aber auch Risiken. Für die Praxis ist es durchaus ein möglicher Ansatz, beide Varianten miteinander zu kombinieren. So lassen sich die Vorteile der Förderung mit einer höheren Rendite von beispielsweise ETFs zu einem Altersvorsorge-Portfolio kombinieren. Wer den Zeitaspekt beachtet, kann durch frühes Eingreifen sorgenfrei ins Alter blicken.


Bildquellen:

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Bild 3: fotolia.com © Smole #121091445


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