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Stressfrei durch die Ausbildung – so klappt's

Bewerbungen versenden, Probezeit überstehen, für Prüfungen büffeln...eine Ausbildung ist eine Reihe von Herausforderungen. Während einige Auszubildende diese scheinbar mühelos meistern, lassen sich viele andere davon extrem unter Stress setzen. Du leidest ebenfalls unter dem Leistungsdruck oder den vielen Überstunden? Damit bist du nicht alleine, denn laut Ausbildungsreport des DGB leistet mehr als ein Drittel aller Auszubildenden in Deutschland regelmäßig Überstunden. Mehr als die Hälfte fühlt sich durch die Arbeitsanforderungen oder schlechten Arbeitsbedingungen stark belastet. Neben den Überstunden liegt das beispielsweise am fehlenden betrieblichen Ausbildungsplan oder der Ausübung ausbildungsfremder Tätigkeiten. Zudem wird oft die mangelnde Kommunikation zwischen den Berufsschulen sowie Betrieben bemängelt. Alles in allem lautet das traurige Fazit: Die Auszubildenden in Deutschland sind so unzufrieden und gestresst wie niemals zuvor. Angesichts der dramatischen Folgen von Stress für die psychische und physische Gesundheit, ist das eine erschreckende Entwicklung.

Stress ist mehr als nur unangenehm

Zu Beginn lässt sich der Stress oft noch aushalten und ist nicht mehr als ein unangenehmes Gefühl. Tatsächlich sind kurze stressige Perioden – seien sie negativer oder positiver Art – auch nicht weiter schlimm. Sofern sich Körper und Geist rechtzeitig regenerieren können, kann Stress sogar motivierend und leistungssteigernd wirken. Fehlt es aber an solchen Erholungsphasen, treten diese zu selten oder zu kurz auf, so ist Stress mehr als nur unangenehm. Er kann hingegen handfeste Krankheiten hervorrufen, sowohl auf psychischer als auch auf physischer Ebene. Wenn du in deiner Ausbildung also dauerhaft unter Druck stehst und dich gestresst fühlst, steigt dein Risiko für eine oder mehrere dieser Folgeerkrankungen:

  • Burnout-Syndrom
  • Depressionen bis hin zum Suizid
  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
  • Rücken- und Gelenkschmerzen
  • Bluthochdruck bis zum Schlaganfall
  • Herz-Rhythmus-Störungen bis zum Herzinfarkt

Bei dieser Liste handelt es sich nur um einige mögliche gesundheitliche Folgen von vielen, welche Stress auf Körper und Geist haben kann. Du siehst: In Extremfällen endet er sogar tödlich – auch, wenn davon in jungen Jahren meist noch nicht auszugehen ist. Dennoch leiden immer mehr Studierende und Auszubildende unter Depressionen, Ängsten, Migräne, Schlafstörungen, einem Reizdarmsyndrom & Co. Wenn auch du schon gesundheitliche Probleme durch den Dauerstress hast, ist es allerhöchste Eisenbahn, um gegenzusteuern. Und auch, wenn es noch nicht so weit gekommen ist, solltest du präventiv Stress abbauen. So bleibst du langfristig gesünder, zufriedener und erfolgreicher. Aber wie schaffst du das?

Prävention ist besser als Reaktion

Stress ist ein individuelles Gefühl und somit gibt es auch keine Patentlösung. Der eine fühlt sich also schneller gestresst, während der andere für sehr lange Zeit gelassen bleibt, bevor er sich unter Druck gesetzt fühlt. Zudem gibt es unterschiedliche Arten von Stress: Negativer Stress durch Leistungsdruck beispielsweise, Ängste vor einer Prüfung oder positiver Freizeitstress, bei dem ein Termin den anderen jagt – obwohl jeder davon eigentlich Spaß macht, kann nämlich auch solch ein chronischer Stress auf Dauer negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Stress hängt in der Regel mit Ängsten zusammen: Der Angst vor dem Versagen, vor dem Verlassenwerden, vor einer Präsentation, vor einem Zeitmangel für die anstehenden Aufgaben und, und, und...

Dementsprechend ist es wichtig, dem Körper sowie Geist Erholungsphasen zu gönnen und solche Ängste gezielt abzubauen. Welche Methode dafür am besten geeignet ist, musst du schlussendlich selbst herausfinden. Schließlich ist jeder Mensch unterschiedlich und kann auch auf verschiedene Art und Weise entspannen. Dennoch gibt es einige hilfreiche Tipps, um Stress während der Ausbildung gezielt abzubauen beziehungsweise zu vermeiden. Welche sind das?

Tipps und hilfreiche Maßnahmen: Stress ade!

Das Stichwort lautet Stressmanagement. Wenn du lernst, richtig mit deinem Stress umzugehen oder, besser noch, diesen präventiv zu vermeiden, kommst du entspannter durch die Ausbildung und das spätere Berufsleben. Denn stressige Zeiten – so viel sei sicher – wird es in deinem Job und Privatleben zukünftig gewiss noch viele geben. Erst einmal gilt es daher, ein Bewusstsein für den Stress zu entwickeln.

Tipp 1: Stress bewusst wahrnehmen

Wenn du nämlich nicht merkst, dass du gestresst bist, kannst du auch nicht gegensteuern. Hinterfrage also immer wieder deine aktuelle Gemütslage: Fühlst du dich gestresst? In welchem Ausmaß? Und warum? Einige Menschen merken den Stress bewusst, andere würden sich als entspannt bezeichnen, leiden aber unter starken Muskelverspannungen und wieder andere verspüren ein dumpfes Gefühl der Übelkeit. Stress äußert sich also bei jedem Menschen unterschiedlich. Somit musst du deinen Körper besser kennenlernen und herausfinden, wann und weshalb du gestresst bist und wie sich dieser Stress auf deine psychische sowie physische Verfassung auswirkt. So kannst du in Zukunft Alarmsignale wie die schmerzende Schulter nämlich schneller richtig deuten und dadurch auch rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen.

Tipp 2: Stressoren identifizieren

Der Auslöser für den Stress muss dabei nicht immer derselbe sein. Manchmal ist es vielleicht Zeitdruck, ein anderes Mal Prüfungsangst und beim dritten Mal der nervige Kollege. Frage dich also stets, welcher momentan der Auslöser für deinen gefühlten Stress ist. Nur, wenn du die Ursachen kennst, kannst du diese schließlich auch beheben.

Tipp 3: Ausbildung richtig wählen

Wie bereits erwähnt, sind schlechte Arbeitsbedingungen ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit deutscher Azubis. Um dieses Problem präventiv zu verhindern, solltest du deinen Ausbildungsbetrieb sowie die Art der Ausbildung sorgfältig auswählen. Bestenfalls absolvierst du vor deiner Bewerbung Praktika in mehreren Betrieben sowie Ausbildungsrichtungen. Weiterhin solltest du darauf achten, ob der schulische Part als Blockunterricht oder arbeitsbegleitend organisiert ist. Letzteres empfinden viele Auszubildende als stressig, da sie nach dem Unterricht noch arbeiten und sich somit auf Theorie und Praxis gleichzeitig konzentrieren müssen. Wenn du die Ausbildung sowie Schule und Betrieb also direkt „passend“ wählst, vermeidest du eine Menge Stress vorsorglich. Denn nur bei einer Ausbildung, die dich wirklich interessiert, fallen dir Arbeit und Lernen schlussendlich leicht.

Tipp 4: Überstunden abbauen

Ein weiteres Problem in der Ausbildung stellen häufig die Überstunden dar. Schließlich müssen Auszubildende nebenbei auch noch büffeln und wer dann zahlreiche Überstunden leistet, hat schlichtweg keine Freizeit mehr. Das erwirkt eine Menge Stress, Leistungsdruck und Versagensängste. Leider sehen das nicht alle Arbeitgeber so und verlangen von den Auszubildenden daher ganz selbstverständlich die Bereitschaft zu Überstunden. Was du allerdings wissen solltest: Laut Jugendarbeitsschutzgesetz sind Überstunden für minderjährige Azubis nur begrenzt zulässig. Doch auch für volljährige Azubis ist die Mehrarbeit während der Ausbildung nicht vorgesehen. Zwar sind Überstunden in Ausnahmefällen zulässig, jedoch sollten diese anschließend als Freizeit ausgeglichen werden – und zwar bestenfalls noch in der gleichen Arbeitswoche. Zudem müssen die Überstunden den Ausbildungsinhalten entsprechen und der Ausbilder hat die Verpflichtung, die Arbeitszeit des Azubis im Betrieb zu überwachen.

Dieser ist also auch dein Ansprechpartner, wenn du öfters oder sehr viele Überstunden machen musst und dich dadurch gestresst fühlst. Schlussendlich hilft hier nämlich nur das Vieraugengespräch. Informiere dich vorab über die Gesetzeslage und versuche, eine einvernehmliche Lösung mit deinem Arbeitgeber zu finden. Klappt das nicht und die Überstunden halten in zu großem Ausmaß an, kommt in Extremfällen vielleicht sogar ein Wechsel des Ausbildungsbetriebes für dich als Lösung infrage.

Tipp 5: Konflikte frühzeitig lösen

Überall, wo Menschen zusammenarbeiten und somit viel Zeit verbringen, gibt es hin und wieder Konflikte. Das ist normal, doch in der Regel können diese schnell aus der Welt geschafft werden. Wo es jedoch anhaltende Probleme mit Kollegen, dem Ausbilder oder den Vorgesetzten gibt, kann das für dich eine Menge Stress bedeuten. Es ist daher wichtig, dass du Konflikte frühzeitig im Vieraugengespräch mit der betreffenden Person zu klären versuchst. Klappt das nicht, bist du aber dennoch nicht auf dich alleine gestellt: Als Auszubildender kannst du jederzeit den Vorgesetzten, Ausbilder oder auch einen Lehrer um Hilfe erbitten, wenn dieser nicht selbst in den Konflikt verwickelt ist. Er kann als Mediator fungieren oder weitere Schritte zur Konfliktlösung einleiten. Auch beim Betriebsrat oder der Jugend- und Auszubildendenvertretung kannst du dir Unterstützung holen. Letzten Endes gibt es zudem bei den Handwerkskammern oder der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ausbildungsberater, die beispielsweise eine Rechtsverletzung prüfen oder dir Alternativen als Lösung aufzeigen können.

Tipp 6: Beim Lernen am Ball bleiben

Als Azubi hast du viele zusätzliche Pflichten neben der Arbeit wie das Führen eines Berichtsheftes oder das Lernen auf Prüfungen. Das kann eine Menge Stress bedeuten – vor allem, wenn du nicht am Ball bleibst. Du solltest deshalb unbedingt darauf achten, deine Aufgaben neben der Arbeit in wöchentliche (oder sogar tägliche) Pakete einzuteilen und sie somit nicht bis zum letztmöglichen Zeitpunkt aufzuschieben. Nur so findest du eine Balance aus Arbeit, Lernen und Freizeit. Achte darauf, von Beginn an gute Noten zu schreiben, denn diese fließen in deine Abschlussnote mit ein. Wiederhole Gelerntes zwischendurch, so hast du ein leichteres Spiel bei der Abschlussprüfung. Wenn du es schaffst, diese guten Vorsätze von Beginn an umzusetzen, gerätst du nicht spätestens zur Prüfungszeit oder vor dem Abgabetermin für dein Berichtsheft unter Stress. An dieser Stelle gilt es also, deinen inneren Schweinehund zu überwinden und dich jeden Tag nach der Arbeit doch noch einmal für eine halbe bis ganze Stunde „hinzusetzen“. Viel Erfolg!

 

Bildquellen:

Bild 1: fotolia.com – Daniel Ernst
Bild 2: fotolia.com – Robert Kneschke
Bild 3: fotolia.com - SolisImages


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