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Zur Ausbildung in eine andere Region: Was kommt auf Azubis und Studenten zu?

Gerade junge Menschen aus ländlichen Regionen müssen für Ausbildung und Studium die heimischen Gefilde häufig verlassen und wagen den Neustart in einer fremden Stadt. Doch was kommt damit auf die Ausbildungsanfänger zu? Was ist organisatorisch einzuplanen und wie sieht es finanziell für sie aus?

Welche Schritte sind wichtig?

Wer seinen Lebensmittelpunkt aufgrund der Ausbildung verlagert, hat über den Umzugswagen hinaus viel zu organisieren. Am früheren Heimatort müssen Kleidung, Möbel, Hausrat und wichtige Papiere in Kartons wandern, während der Zielort bestmöglichst auf die Ankunft vorbereitet wird. Dabei sind die folgenden Schritte wichtig:

  1. Förderung beantragen: Ob BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) genehmigt werden, nimmt entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der neuen Lebenssituation. Daher steht dieser Schritt meist an erster Stelle. Bei den Mietzuschüssen entscheidet der Förderungstopf über die gebotene Reihenfolge: Ein Mietkostenzuschuss für Azubis unter 25 Jahren wird innerhalb des BAB nur gewährt, wenn er vor dem Umzug beantragt wurde. Das Wohngeld des Bundesministerium für Umwelt hingegen kann nur ein bereits bestehendes Mietverhältnis fördern.

  2. Eine Wohnung suchen: Je nach Budget streben Studenten und Azubis die eigenen vier Wände an oder ein WG- bzw. Wohnheimzimmer. Jede Variante besitzt hier ihre Vor- und Nachteile: Während die eigene Wohnung vergleichsweise viel kostet, garantiert ein WG-Zimmer, dass Azubis und Studenten ihre Abende nicht allein verbringen müssen. Stören kann das Gemeinschaftswohnen, wenn die WG-Bewohner sehr unterschiedlichen Tagesabläufen folgen oder Streitigkeiten über Putzpläne und andere Pflichten entbrennen. Ein günstiger Kompromiss ist ein Wohnheimzimmer mit eigener Nasszelle, dem ein Gemeinschaftsraum angegliedert ist. Im Wohnheim sind die Räume allerdings meist klein dimensioniert.

  3. Ummelden: Innerhalb von 14 Tagen nach Umzug müssen sich Neuankömmlinge beim zuständigen Einwohnermeldeamt anmelden, sonst droht ein Bußgeld. Dazu ist der Personalausweis oder Reisepass nötig, sowie eine schriftliche Bestätigung des Wohnungsgebers. Die Adressänderung sollten Studenten und Azubis dann so schnell wie möglich allen wichtigen Stellen mitteilen, z.B. Banken, Versicherungen und Telekommunikationsanbietern. Wer vorab bei seinen Eltern gewohnt hat, kann natürlich darauf vertrauen, dass diese die Post pfleglich sammeln und weiterschicken. Einfacher macht man es seinen Lieben daheim natürlich mit einem Nachsendeantrag bei der Post.

  4. Studenten- bzw. Berufsschüler-Ausweis organisieren: Mit den erforderlichen Unterlagen (z.B. einer Immatrikulationsbestätigung) erhalten Studenten und Berufsschüler den Ausweis schnell bei den zuständigen Sekretariaten. Ein Foto wird meist direkt vor Ort erstellt. Wer den Ausweis in der Brieftasche hat, kann sich über Ermäßigungen im ÖPNV und in kulturellen Einrichtungen freuen.

  5. Krankenversicherung suchen: Studenten können bis zum vollendeten 25. Lebensjahr kostenlos in der Familienversicherung bleiben, allerdings nur, wenn ihr Einkommen unter 435 Euro im Monat bzw. 450 Euro als Minijob beträgt. Azubis müssen sich hingegen selbst krankenversichern, wobei der ausbildende Betrieb die Hälfte des Beitrages abführt. Unterschreitet die Ausbildungsvergütung die Geringfügigkeitsgrenze von 325 Euro, muss der Arbeitgeber die kompletten Kosten für Krankenversicherung und Sozialabgaben tragen.

Was ist finanziell zu beachten?

In ihrem ersten Ausbildungsjahr erhalten deutsche Azubis eine durchschnittliche Ausbildungsvergütung von 689 Euro (Osten) bis 751 Euro (Westen). Studenten haben im Mittel 916 Euro im Portemonnaie. Die Kosten für ein Studium bewegen sich dabei je nach Region in höchst unterschiedlichem Maße. In Bezug auf die tatsächliche finanzielle Situation gestaltet sich alles höchst individuell und kann durch diese Quellen unterstützt werden:

  • Unterstützung durch die Eltern: Eltern in Deutschland tragen eine Unterhaltspflicht gegenüber ihren Kindern, die sich auch auf den Zeitraum der ersten Berufsausbildung erstreckt. Vorausgesetzt, das elterliche Einkommen erlaubt es, können Kinder von ihren Eltern bis zu 735 Euro Unterstützung fordern. Pflicht des Nachwuchses ist es im Gegenzug, ihr Studium bzw. die Ausbildung zielgerichtet und zügig zu absolvieren. Hierüber dürfen Eltern auch Nachweise in Form von abgeschlossenen Prüfungen fordern. Statt in Geld können Eltern ihre Kinder auch in Naturalien wie Nahrungsmitteln und Unterkunft unterstützen.

  • BAB: Die Bundesausbildungsbeihilfe unterstützt Azubis, deren Ausbildungsstätte mehr als 2 Stunden Fahrt vom Elternhaus entfernt ist. Berücksichtigt werden hierbei das Einkommen der Eltern und die Ausbildungsvergütung. Voraussetzung ist ein unterschriebener Ausbildungsvertrag, der die erste Ausbildung in einem staatlich anerkannten Beruf betrifft. Maximal fördert die Bundesagentur für Arbeit dann den Grundbedarf mit monatlich 348 Euro sowie die Miete mit einer Pauschale von 149 Euro. Kosten für Fahrten, Kinderbetreuung und Arbeitskleidung werden gesondert unterstützt. Ist der Auszubildende verheiratet oder hat bereits ein Kind, muss er die Entfernung der Ausbildungsstätte zum Elternhaus nicht nachweisen.

  • BAföG: Wenn die Eltern nicht für das Studium aufkommen können, erhalten Studenten im Jahre 2018 einen maximalen BAföG-Satz von 649 Euro. Sind sie selbst versichert, erhöht sich der Betrag um 86 Euro als Zuschlag für die Krankenkasse. Achtung: Nicht nur das Einkommen der Eltern hat Einfluss auf den BAföG-Anspruch, auch die eigenen Ersparnisse dürfen den Freibetrag von 7.500 Euro nicht übersteigen.

  • Nebenjobs: Insbesondere Studenten nutzen Nebenjobs, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Ihr Lehrplan lässt dies meist besser zu als der stressige Azubi-Alltag zwischen Betrieb und Berufsschule. Glücklich ist, wer an seiner Fakultät eine Stelle als HiWi ergattert. Typische andere Tätigkeitsfelder für Studenten finden sich in der Gastronomie, in Callcentern und in Nachhilfeinstituten. Günstig sind auch befristete Vollzeit-Tätigkeiten während der vorlesungsfreien Zeit im Februar oder August. Wer BAföG bezieht und in der Familienversicherung bleiben will, darf jedoch nicht mehr als 450 Euro im Monat hinzuverdienen. Schlussendlich ist auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung wichtig: Wer durch intensives jobben sein Studium in die Länge zieht, sollte sich lieber nach anderen Finanzquellen umsehen.

  • Ausbildungskredite: Bildungskredite und Studienkredite, wie sie z.B. die KfW anbietet, zeichnen sich durch lange Laufzeiten und niedrige Zinssätze aus. Im Gegensatz zum üblichen Kredit wird die Kreditsumme in monatlichen Raten an den Kreditnehmer ausgezahlt. Diese Option eignet sich für Studenten und Azubis besonders zum Ende ihrer Ausbildung hin, wenn sie sich ungestört auf ihren Abschluss und wichtige Prüfungen vorbereiten wollen.

  • Stipendium: Staat und verschiedene Stiftungen vergeben insbesondere für grundständige und weiterführende Studiengänge diverse Stipendien. Dabei sind nicht immer besondere Leistungen ausschlaggebend. Auch Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund haben besondere Ansprüche. Bis zu einer Summe von 300 Euro monatlich mindert ein Stipendium nicht einen bestehenden BAföG-Anspruch.

Was ist sonst zu beachten?

  • Alltags-Organisation: Wer an seinem neuen Wohnort eintrifft, sollte als erstes in Erfahrung bringen, wo sich der nächstgelegene Supermarkt befindet. Schließlich will wohl niemand seinen ersten Ausbildungs- oder Vorlesungstag ohne Kaffee beginnen. Genauso wichtig ist eine Waschgelegenheit für die eigene Garderobe. Da nur wenige Azubis den Luxus einer eigenen Waschmaschine genießen, sind Ausbildungsanfänger entweder auf Münzwaschmaschinen im Wohnheim oder auf den Waschsalon angewiesen.

  • Internetzugang: Leistung und Verfügbarkeit des Internetzuganges ist für viele junge Leute die erste Priorität bei der Wohnungssuche. Während notorische Smartphone-Nutzer gern auf ein Festnetz-Telefon verzichten, sieht das beim Streamingdienst und der Spielkonsole schon anders aus. Als Student oder Azubi kommt man bei einigen Telekommunikationsdiensten in den Genuss ermäßigter Tarife. Hier müssen Neukunden auf eventuelle Preisanpassungen nach 12 Monaten Vertragslaufzeit achten. Für den GEZ-Beitrag gilt im Übrigen: Wer BAB oder BAföG bezieht, kann sich von der Abgabe befreien lassen.

  • Weitere Versicherungen: Haftplicht, Hausrat, Rechtschutz: Im Schutz des Elternhauses kümmert sich kaum jemand um die bestehenden Versicherungen. Unter dem ersten eigenen Dach erlangen sie, allen voran die private Haftpflichtversicherung, erstmals an Bedeutung. Die meisten Anbieter ermöglichen auf Anfrage eine Weiterversicherung der Kinder in Ausbildung im elterlichen Vertrag. Ist dies nicht möglich, können Studenten und Azubis auf vergünstigte Tarife zurückgreifen.



Fazit

Nicht mehr von den Eltern abhängig zu sein und seine eigenen Wege zu gehen, das wünschen sich wohl die meisten jungen Menschen nach dem Schulabschluss. Damit das Lebensabenteuer nicht zum Albtraum mutiert, sollten in erster Linie die finanziellen Fragen vorab geklärt sein. Wer hier eine relative Sicherheit genießt, kann den anderen Anforderungen der Ausbildung gerecht werden: eine neue Tätigkeit zu erlernen, neue Kontakte zu knüpfen und sein junges Leben auch einmal zu genießen.



Bildquellen:

Bild 1: fotolia.com © Robert Kneschke #172471119
Bild 2: fotolia.com © sebra #196375014


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