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Autos und Azubis: Wenig Geld und hohe Mobilität

Wenn man ein Auszubildender ist, kollidieren meist zwei Faktoren miteinander: Einerseits wird von einem erwartet, jederzeit mit der gleichen Pünktlichkeit ebenso weite Distanzen zu pendeln wie bei jedem ausgelernten Angestellten im Unternehmen. Andererseits jedoch betragen selbst die Top-Azubi-Gehälter meist nur einen Bruchteil von dem, was die anderen Kollegen bekommen und mit etwas Pech liegt die Berufsschule auch so ungünstig, dass sie unmöglich mit dem ÖPNV zu erreichen ist. Führerschein und eigenes Auto sind in dieser Welt die oftmals einzige sinnvolle Lösung. Welche Vorteile beides hat und vor allem wie man das Auto mit einem Auszubildendengehalt unter einen Hut bringt, erklärt der folgende Artikel.

Die Job-Chance

Ein Unternehmen, das mitten in einer Großstadt residiert und somit sicher sein kann, dass seine Azubis auf ein üppiges Nahverkehrsangebot zurückgreifen können, wird es nur wenig tangieren. Aber je weiter eine Firma auf dem Land liegt, desto wichtiger wird es für sie, dass ihre Angestellten wortwörtlich automobil sind. Wer in seine Bewerbung schreiben kann (und das sollte man als Azubi auf jeden Fall), dass er über Führerschein und eigenes Auto verfügt, darf sicher sein, dass er, bei gleicher Qualifikation, definitiv in eine engere Auswahl kommt als die Konkurrenten, die auf Bahn, Bus oder Eltern angewiesen sind. Ganz abgesehen davon, dass manche Berufe zumindest die Fahrerlaubnis sowieso zum Einstellungskriterium machen.

Zudem darf man auch nicht vergessen, dass man damit an Wert für die Firma gewinnt. Dienstwagen etwa sind heute Gang und Gebe. Natürlich auch Betriebswagen vom Handwerker-Sprinter bis zum Büro-Smart. Einen Azubi, der dank eigenem Wagen auch über die nötige Fahrpraxis verfügt, wird man ein solches Auto viel eher anvertrauen als einem, der zwar eine Fahrerlaubnis hat, aber mangels fahrbarem Untersatz nur wenige Kilometer pro Monat fährt, selbst wenn man den Dienstwagen als geldwerten Vorteil versteuern müsste, ist das immer noch ein dicker Bonus auf das kärgliche Azubigehalt.

Woher nehmen…

…wenn nicht stehlen? Natürlich eine berechtigte Frage, denn die mit Abstand größte Hürde wird es sein, zunächst überhaupt als Azubi genügend Geld für den Wagen oder mitunter sogar die Fahrerlaubnis zusammenzusparen, von den Unterhaltskosten ganz zu schweigen. Allen voran steht das Problem, dass man ob seines geringen Gehalts, des befristeten Jobs und natürlich auch des meist jugendlichen Alters kaum für einen klassischen Bankkredit infrage kommt.

  • Die erste Möglichkeit wäre es natürlich, einfach eine Lösung zu nutzen, die nicht von der Hausbank stammt. Solche Kredite haben i.d.R. eine Laufzeit von 40 Monatsraten, stehen auch für recht geringe Summen von 3500 Euro zur Verfügung und erfordern auch nur ein begrenztes Mindestnettoeinkommen.
  • Soll es hingegen ein Neuwagen sein oder ist es nicht so wichtig, das Auto auch wirklich selbst zu besitzen, bietet sich Leasing an. Auch hier gibt es mehrere Zahlungsmodelle, die auch davon abhängen, wie viel Anzahlung man leisten kann.
  • Für Azubis mit finanziell gut gestellten Verwandten ist es ebenfalls eine Option, sich von Mama, Opa oder Tante das Geld für ein Auto zu leihen. Doch Vorsicht, die Sache kann auch zum Bumerang werden, denn auch unter Verwandten müssen angemessene Zinsen gezahlt werden, sonst kann es schnell Probleme mit dem Finanzamt geben.

Welche Option davon für einen selbst am sinnvollsten ist, hängt natürlich in höchstem Maß von den persönlichen Lebensumständen ab, sodass sich hier keine Pauschalaussage treffen lässt. Aber: Vielleicht gibt es ja auch einen Verwandten, der seinen (passablen) Gebrauchten nicht mehr benötigt und bereit wäre, ihn dem finanzknappen Azubi unentgeltlich zu überlassen.

Groß oder klein?

Die nächste Frage befasst sich mit der Größe des Autos. Hier gilt: „Klein ist fein“ ist eine falsche Pauschalisierung. Denn viel wichtiger ist es, dass man sich ein Auto sucht, dessen Typklasse schön niedrig ist, damit die Versicherungssumme gering bleibt.

Da sind gerade die angeblich azubifreundlichen Kleinwagen oft Blender. Denn die Typklasse hängt vor allem davon ab, wie viele Versicherungsschäden ein bestimmtes Fahrzeugmodell verursacht. In diesem Segment werden Kleinwagen gleich dreimal benachteiligt:

  1. Sie werden in meist vergleichsweise hohen Stückzahlen verkauft, also sorgen sie schon rein statistisch für mehr Schäden
  2. Sie werden häufiger in einem urbanen Umfeld eingesetzt. Dort herrscht mehr Verkehr und daher ebenfalls erhöhtes Unfallrisiko
  3. Sie werden wegen des niedrigen Preises tendenziell oft von jungen Menschen gekauft, also der größten statistischen Gruppe von Unfallverursachern

Aus all diesen Gründen heraus bedeutet das also unter dem Strich, dass weniger die Frage nach der Größe, sondern der Typklasse der entscheidende Maßstab bei der Suche sein sollte.

Steuer und Versicherung

Neben der Autogröße sorgt vor allem die Motorisierung für zahlreiche Azubi-Unterhaltsfragen. Auch der verbrauchsarme Diesel ist dabei ein oft getätigter Fehlgriff. Fehlgriff deshalb, weil die steuerliche Begünstigung sich nur auf den Kraftstoff selbst erstreckt, nicht jedoch den Motor.

Auf gut Deutsch: Besitzer von Dieselfahrzeugen müssen selbst bei schadstoffarmen neuen Modellen immer eine höhere Steuersumme abführen als für einen vergleichbaren Benziner. Um wirklich aus der Kombination aus höheren Steuern und (wahrscheinlich nicht mehr lange) günstigerem Kraftstoff Profit zu schlagen, sind Jahreslaufleistungen von mindestens 17.500 Kilometern vonnöten, auf 260 Jahres-Arbeitstage umgerechnet müsste der Diesel-besitzende Azubi also pro Tag mindestens 70 Kilometer pendeln, damit es sich rentiert. Zudem errechnet sich die Fahrzeugsteuer neben Schadstoffklasse und Kraftstoffart auch über den Hubraum. Für Azubi-Sparfüchse ist es also empfehlenswert, auf kleinere Hubräume zu setzen. Wer trotzdem nicht auf Leistung verzichten kann, etwa weil er viele bergige Strecken zu absolvieren hat, sollte auf kleine Motoren mit Turbo setzen. Dazu gehören u.a. einige Modelle des aktuellen VW Polo. Nachteil Steuer: Diese muss immer für ein Jahr im Voraus entrichtet werden. Das ist selbst bei günstig eingestuften Autos für Azubis ein schwerer Schlag ins Kontor.

Bei der Versicherung besteht das Hauptproblem darin, dass man als Fahranfänger in der Regel in die teuerste mögliche Einstufung rutscht, schließlich kann man ja kein jahrelanges, unfallfreies Fahren nachweisen und gehört, wie erwähnt, zu einer Unfallrisikogruppe. Daher ist es, sofern möglich, dringend zu empfehlen, sich über die Eltern als Zweitwagenversicherung anmelden zu lassen. Dann kann man nämlich von einer erheblich besseren Einstufung profitieren, denn Berechnungsmaß ist das „Unfallkonto“ der Eltern und nicht das eigene.

Als nächstes steht die Frage nach der Art der Versicherung auf dem Programm:

  • Haftpflicht ist das günstigste Grundmodell, es werden aber nur Schäden beim Unfallgegner übernommen. Was am eigenen Auto passiert, muss man selbst zahlen.
  • Teilkasko ist die nächsthöhere Stufe, darin sind auch bestimmte Schäden am eigenen Auto (auch ohne Unfall) inkludiert. Etwa Marderbiss, Diebstahl, wetterbedingte Schäden oder Wildunfälle.
  • Vollkasko bietet den umfassendsten Schutz, geht aber natürlich auch am stärksten ins Geld. Hier wird auch Vandalismus abgedeckt sowie ferner auch viele Unfallschäden am eigenen Auto.

Auch hier sind keine Pauschalaussagen möglich. Insbesondere deshalb, weil bei vielen Versicherungsanbietern der Preissprung zwischen Haftpflicht und Teilkasko nur sehr gering ist. Was man aber auf jeden Fall tun sollte, ist, die möglichen Zahlungsfristen entweder monatlich oder maximal quartalsmäßig abbuchen zu lassen. Auf diese Weise machen sie sich nicht so gewaltig bemerkbar und man benötigt auch keine so große Spardisziplin.

Apropos Disziplin: Natürlich ist es als Azubi-Autobesitzer unumgänglich, den Wagen maximal zu schonen. Das bedeutet vor allem so spritsparend wie möglich zu fahren, alle überflüssigen Fahrten zu vermeiden. Letzteres hat nämlich auch Auswirkung auf die Wartung des Wagens. Denn vieles zwischen Zahnriemen und Bremsbelägen ist nicht zeit- sondern kilometerabhängig und spart somit tatsächlich, wenn man den Wagen stehenlässt.



Bildquellen:
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