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Finanzielle Vorsorge für Azubis - welche Aspekte sind besonders wichtig?

301.750 – so viele Ausbildungsverträge wurden 2016 laut DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) neu abgeschlossen. Betriebliche Ausbildungen haben in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Auch wenn die Zahl immatrikulierter Studenten nach wie vor hoch ist – Handwerk und Industrie brauchen Nachwuchs. Entsprechend stark ist der Konkurrenzdruck, welcher auf Unternehmen lastet. Nicht jede Ausbildungsstelle konnte in den letzten Jahren besetzt werden. Azubis können diesen Trend im eigenen Interesse nutzen. Zunehmend mehr Unternehmen bieten ihren Auszubildenden finanzielle Anreize, wozu beispielsweise auch günstige Versicherungsverträge oder eine betriebliche Altersvorsorge gehören.

Wer in die Ausbildung startet, steht an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Es werden Weichen für die Zukunft gestellt – und Azubis müssen zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehen. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf den Haushalt. Mit dem Start ins Berufsleben stellt sich die Frage, wie Auszubildende richtig vorsorgen. Welche Versicherungen braucht ein Berufsanfänger? Mythen und Halbwahrheiten sind der Grund dafür, dass ein Teil der Auszubildenden unterversichert ist. Dabei zahlt es sich aus, schon jetzt konsequent auf einen adäquaten Versicherungsschutz hinzuarbeiten.

Vor großen Risiken schützen

Wie sieht der optimale Versicherungsschutz aus? Diese Frage pauschal beantworten zu wollen, ist fahrlässig. Der Grund: Entscheidend ist die individuelle Lebenssituation. Singles brauchen einen anderen Versicherungsschutz als Paare mit Kindern. Und auch Auszubildende haben ihre ganz eigenen Ansprüche. Prinzipiell ist zuerst an große Risiken zu denken. Es geht also in erster Linie darum, den Super-GAU zu verhindern.

Bedeutet für die Praxis, dass neben der Einkommenssicherung an die Privathaftung zu denken ist. Letztere kann – und dies wird leider unterschätzt – hohe fünf- bis sechsstellige Summen erreichen. Schuld sind die gesetzlichen Regelungen, auf denen die Haftung basiert.

Private Haftpflichtversicherung: Eigentlich ein Must-have

Privatpersonen und Unternehmen sitzen bezüglich der Haftung im gleichen Boot. Nach  (Bürgerliches Gesetzbuch) ist der Verursacher – egal, ob vorsätzlich oder fahrlässig – zum Schadenersatz verpflichtet. Dies betrifft:

  • Personenschäden
  • Sachschäden
  • Vermögensschäden.

Was oft nicht bekannt ist: Schadenersatzansprüche sind der Höhe nach nicht gedeckelt. Gerade der Personenschaden kann daher sehr schnell dramatische Folgen haben. Beispiel: Auf dem morgendlichen Weg in den Ausbildungsbetrieb ist der Azubi mit dem Rad unterwegs und verursacht einen Verkehrsunfall. Der Geschädigte trägt so schwere Folgen davon, dass Berufsunfähigkeit droht.

Private Haftpflichtpolicen sichern gegen dieses Risiko ab. Gedeckt werden hier Personen- und Sachschäden in Höhe der Versicherungssumme. Beim Vermögensschaden handelt es sich meist um eine Deckung, welche nur unechte Vermögensschäden – wie zum Beispiel den Verdienstausfall – erfasst.

Achtung: Seitens der Versicherer werden verschiedene Deckungen aus dem Versicherungsschutz ausgenommen. Hierzu gehört beispielsweise die Haltung von Haustieren (Hunden, Reittiere usw.) oder der Hobbybereich. So müssen Modellflugpiloten im Regelfall eine eigene Versicherung bezüglich der Haftpflicht abschließen.

Berufsunfähigkeit: Das unterschätzte Risiko

Plötzlich nicht mehr dem Beruf nachgehen können – im ersten Moment ein eher abstraktes Risiko. Leider zeigt die Praxis, dass Berufsunfähigkeit ein verbreitetes Phänomen ist. Hintergrund: Statistiken sprechen von jedem vierten Beschäftigten, der sich mit dieser Situation konfrontiert sieht. Darüber hinaus existiert keinerlei gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente, denn eine entsprechende Leistung existiert als Erwerbsminderungsrente nur in den Fällen, in denen man überhaupt keiner Tätigkeit mehr in Vollzeit nachgehen kann. Vollen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben demnach nur Betroffene, die maximal 3 Stunden am Tag irgendeiner beruflichen Beschäftigung nachgehen können. Warum schon als Azubi über dieses Thema nachdenken?

Berufsunfähigkeit kann durch:

  • Unfall
  • Kräfteverfall
  • Krankheit

entstehen. Dies bedeutet, dass auch eine Allergie beispielsweise zur Berufsunfähigkeit führen kann. Beispiel: Im Bäckerhandwerk ist die Mehlstaub-Allergie ein durchaus verbreitetes Phänomen. Azubis profitieren beim Abschluss einer BU-Versicherung übrigens durch einen vergleichsweise niedrigen Beitrag. Der Grund: Berechnet nach den Grundsätzen der Lebensversicherung, spielen das Eintrittsalter sowie der Gesundheitszustand für den Beitrag eine Rolle.

Finanzielle Reserve aufbauen

Es passiert immer wieder: Die Handyrechnung fällt etwas höher aus oder der Stromanbieter verlangt eine Nachzahlung. Azubis müssen daran denken, dass Selbständigkeit auch damit verbunden ist, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Finanziell heißt dies, dass ein kleines Polster aufzubauen ist. Als Faustregel gilt: Drei Monatseinkommen werden auf die Seite gelegt. Erst wenn hinter diese Aufgabe ein Haken gemacht werden kann, sollte ans Geld ausgeben gedacht werden.

An übermorgen denken: Heute Vermögen aufbauen

Auszubildende verdienen zum ersten Mal Geld. Auch wenn die Ausbildungsvergütung mit dem späteren Gehalt nicht vergleichbar ist – Geld im Portemonnaie weckt Begehrlichkeiten. Generell ist bereits für diese Phase zu empfehlen, mit dem Sparen zu beginnen. Der Grund: Jeder Euro, der über Zinsen oder Ähnliches zufließt, verdient auf lange Sicht Geld. Gedacht werden sollte an:

  • Altersvorsorge
  • Konsumwünsche
  • Eigenheim
  • das erste Auto.

Das Thema Altersvorsorge

Von der Rente leben können – in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass nicht jeder dieses Ziel erreicht. Die Bundesregierung hat den Rotstift in einem Ausmaß an der Rente angesetzt, dass private Vorsorge besser vorgestern beginnt als morgen. Auszubildende schieben das Thema zwar gern auf die lange Bank, ratsam ist aber eigentlich genau das Gegenteil.

Wie Vermögen für den Ruhestand aufbauen? Viele Arbeitnehmer haben mit Kapital-Lebens- und Rentenversicherungen vorgesorgt. Altverträge konnten akzeptable Renditen erwirtschaften. Im Rahmen des Neugeschäfts gilt dies nicht mehr.

 Mittlerweile wird allerdings auch die Riester-Rente kritisch gesehen. Wer als Azubi vorsorgen will, kommt nicht daran vorbei, sich zu informieren. Um Rendite und Risikoarmut miteinander zu verknüpfen, kann zum Beispiel über einen Sparplan, basierend auf ETFs, nachgedacht werden. Aber: Es kommt beim Vorsorgen immer auf den richtigen Mix an.

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden

Im Lauf eines Lebens ist das Eigenheim die größte Anschaffung. Vollfinanzierungen sind machbar, allerdings – aus verschiedenen Gründen – nur bedingt zu empfehlen. Unter anderem die Höhe der Zinsen und die Tatsache, dass Vollfinanzierungen oft sehr lange an den Bankkredit binden, sollte zur Erkenntnis führen, das Eigenkapital zählt. Azubis, die klar das Ziel Eigenheim vor Augen haben, müssen früh mit dem Sparen beginnen.

Wichtig ist dabei, Sicherheit für das angelegte Geld großzuschreiben. Diesem Aspekt kann das eine oder andere Prozent Rendite geopfert werden. Parallel sind Anlageklassen zu bevorzugen, welche mittelfristig einen Zugriff auf das Kapital erlauben – etwa innerhalb von 10 Jahren bis etwa 15 Jahren. Achtung: Heute bieten Bund und Länder verschiedene Förderungen für Häuslebauer. So können die Zulagen aus Riester Verträgen für die Schaffung von Wohneigentum eingesetzt werden.

Krankenzusatzversicherung: Wirklich notwendig?

Mit Haftpflicht und BU-Versicherung (sowie eventuell einer eigenen Hausratpolice) sind Azubis bereits auf dem besten Weg, sich optimal zu versichern. An verschiedener Stelle wird regelmäßig zu sogenannten Krankenzusatzversicherungen geraten – zu denen:

  • Krankenhaustagegeldtarife
  • Heil- und Hilfsmitteltarife
  • Krankentagegeld
  • Zahnzusatzpolicen

gehören. Viele der genannten Beispiele beinhalten Leistungen, auf welche Auszubildende bzw. auch Beschäftigte verzichten können. Beispiel Krankenhaustagegeld: Letzteres wird in der versicherten Summe im Fall eines stationären Aufenthalts gezahlt. Damit sollen bestimmte Serviceleistungen bezahlbar bleiben, welche in den Kassenleistungen nicht drin sind – wie etwa das Telefon.

Das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen dieser Tarife wird regelmäßig kritisiert. Positiver wird die Zahnzusatzversicherung gesehen. Hier werden Leistungen versichert, die im Alltag durchaus

Spuren hinterlassen – wie der Zahnersatz. Letzterer kann durchaus auch für junge Erwachsene zum Thema werden, etwa im Zusammenhang mit einem Sportunfall.

Fazit: Beim Versichern und Sparen ist Köpfchen gefragt

Als Azubi endlich Geld mit nach Hause bringen – für viele Auszubildende eine neue Erfahrung. Allerdings bedeutet dies auch, sich Herausforderungen und Verantwortung zu stellen. Azubis können in vielen Bereichen noch vom Versicherungsschutz der Eltern profitieren. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, ist ein Check des bestehenden Versicherungsportfolios unbedingt zu empfehlen. Gibt es keinen Schutz durch eine private Haftpflichtpolice, ist dies dringend nachzuholen. Ähnlich sieht die Situation bei der Hausratversicherung aus. Beim Thema Sparen und zusätzlicher Krankheitskostenvorsorge sitzt der Azubi am Ende allein im Boot. Hier hilft nur, sich zu informieren, um anschließend wichtige Entscheidungen treffen zu können. Denn vor Krankheiten oder Verletzungen sind auch Auszubildende nicht geschützt – unterschätzen aber gern die Gefahren, welche sich daraus ergeben.

 

Bildquellen:

Bild 1: fotolia.com - #176371911 magele-picture
Bild 2: fotolia.com - #188819408 Andrey Popov
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