Corona: Auswirkungen und Fragen (Unternehmen-Edition)

Aufgrund der Corona-Pandemie haben Unternehmen nun viele Herausforderungen zu meistern. Die Suche nach neuen Azubis steht dabei sicherlich nicht ganz oben auf der Liste, ist aber dennoch ein wichtiger Punkt, der von Unternehmen bedacht werden muss. Welche Fragen diesbezüglich aufkommen und was man als Unternehmen besser beachten sollte, erfahren Sie hier.

 

Muss der Auszubildende in den Ausbildungsbetrieb, da die Berufsschule geschlossen hat?

Ja, während die Berufsschulen geschlossen sind, muss der Auszubildende im Betrieb erscheinen, sofern der Berufsschulunterricht nicht anderweitig weitergeführt wird (z.B. Online-Unterricht), der Azubi sich in Quarantäne befindet oder der Ausbildungsbetrieb vorgibt, den Betrieb nicht zu betreten.

Für den Fall, dass für den Zeitraum der Schließung die Berufsschulen den Azubis Aufgaben mitgegeben, muss ihnen die Zeit eingeräumt werden, diese zu lösen.

 

Darf ein Auszubildender von der Ausbildung fernbleiben?

Ein Azubi darf die Arbeit grundsätzlich nicht verweigern. Auch Angst vor Ansteckung ist kein Grund, einfach zu Hause zu bleiben. Sollte jedoch eine konkrete Gefährdung für einen Azubi vorliegen, so ist der Ausbilder dazu verpflichtet, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben. Weiterhin sollte der Betrieb sich natürlich darum bemühen, seine Mitarbeiter und Auszubildenden mit ausreichenden Maßnahmen vor einer möglichen Ansteckung mit dem Virus zu schützen.

 

Kann für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden?

Grundsätzlich dürfen Azubis keine Kurzarbeit leisten. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung auch weiterhin zu gewährleisten. Hierbei kann beispielsweise von mehreren Möglichkeiten Gebrauch gemacht werden: Der Ausbildungsplan kann durch das Vorziehen von Lerninhalten umgestellt werden, ein Abteilungswechsel kann durchaus ratsam sein oder besondere Ausbildungsveranstaltungen könnten durchgeführt werden.

Nur dann, wenn alle Möglichkeiten nachweislich ausgeschöpft sind, darf Kurzarbeit auch für Auszubildende ausgesprochen werden. In diesem Fall hat der Azubi Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen. Mehr Informationen dazu bietet Ihnen die Bundesagentur für Arbeit.

 

Kann für Ausbilder/-innen Kurzarbeit angeordnet werden?

Ausbilder sind grundsätzlich wie normale Mitarbeiter zu werten und dürften auch in Kurzarbeit gehen, allerdings sollte es auch hierbei eher in Ausnahmefällen angeordnet werden. Der Betrieb muss gewährleisten, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht auch weiterhin nachkommt, da ansonsten ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen kann.

 

Kann dem Auszubildenden gekündigt werden?

Nein, grundsätzlich kann auch während der Corona-Pandemie dem Auszubildenden nicht einfach so gekündigt werden. Auch Kurzarbeit rechtfertigt diese Maßnahme nicht. Lediglich wenn der Ausbildungsbetrieb für längere Zeit vollständig zum Erliegen kommt und seine Ausbildungseignung somit entfällt, ist eine Kündigung des Auszubildenden möglich.

In dem Fall hat sich der Ausbilder jedoch rechtzeitig bei der zuständigen Agentur für Arbeit zu melden und sich um einen neuen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.

 

Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Nein, der Ausbildungsbetrieb kann für den Azubi nicht einfach „Zwangsurlaub“ bestimmen. Der Auszubildende muss den Urlaub nach wie vor noch selbst beantragen und darf ihn nicht einfach verhängt bekommen. Für den Abbau von Überstunden zählt das Gleiche.

Jedoch kann im Einzelfall der Auszubildende oder auch der Betriebsrat eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen.

 

Worauf müssen Ausbildungsbetrieb und Auszubildende achten, wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet?

Eine drohende Insolvenz oder auch die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ändern grundsätzlich nichts am bestehenden Ausbildungsvertrag. Alle Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsverhältnis bleiben beidseitig bestehen. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt allerdings der Insolvenzverwalter an die Stelle des Ausbildungsbetriebs und ist zuständig für die bestehenden Ansprüche.

Weiterhin muss der Betrieb auch nach wie vor den Pflichten des Ausbildungsvertrages, insbesondere die Zahlung der vereinbarten Ausbildungsvergütung, nachkommen. Zwar können sich Azubi und Unternehmen auf eine Kürzung der Vergütung einigen, jedoch muss diese auch weiterhin angemessen und höher als die gezahlte Vergütung des vorhergehenden Jahres sein.

Für den Falle der Einstellung des Geschäftsbetriebes ist das insolvente Unternehmen dazu verpflichtet, rechtzeitig die Weiterführung der Berufsausbildungsverhältnisse abzuklären.

 

Wie kann ich unser Unternehmen auch in Zeiten von Corona attraktiv für angehende Bewerber gestalten?

In Zeiten der Corona-Pandemie sind natürlich auch Schüler und potenzielle Bewerber sehr verunsichert, wie es zum Ausbildungsstart 2020 überhaupt weitergeht. Macht es Sinn sich noch zu bewerben? Wer bildet überhaupt noch aus? Ändert sich der laufende Bewerbungsprozess für mich?

Daher sollten Sie natürlich zeigen, dass Sie als Ausbildungsbetrieb auch weiterhin auf der Suche nach neuen Azubis sind. Dazu könnten Sie beispielsweise Ihre Stellenanzeige dementsprechend anpassen und genügend Auskünfte anbieten, welche Änderungen durch Corona beispielsweise für den Bewerbungsprozess entstehen. Desto mehr Fragen dem Suchenden beantwortet werden können, desto höher stehen die Chancen, dass sich dieser letztendlich auch bei Ihrem Unternehmen bewirbt.


Bild: Pixabay



Mehr über den Autor: Alex Dass ein Studienabbruch nichts Schlechtes sein muss beweist Alex. Mit ihrer Ausbildung zur Medienkauffrau hat sie endlich den Beruf gefunden, der sehr gut zu ihr passt.